Stadtraum

Hier könnte Ihre Kunst hängen

Werbeplakate prägen den öffentlichen Raum in Basel. Der Verein «Mach Platz!» will zeigen, dass es auch anders geht.

Fina Girard & Tim Züger
Wer soll entscheiden, was im öffentlichen Raum sichtbar ist? Der Verein «Mach Platz!» will dazu einen Denkanstoss geben. (Bild: Dominik Asche)

Auf den Punkt:

  • Der Verein «Mach Platz!» will zeigen, dass Plakatflächen mehr sein können als Werbung.
  • Im Sommer werden 20 junge Gestalter*innen vier Wochen lang ausgewählte Plakatstellen in der Stadt bespielen.
  • Das Projekt versteht sich als Experiment und soll einen Denkanstoss geben.

Sie kleben auf Litfasssäulen an öffentlichen Plätzen, im ÖV, Bahnhof, Schaufenstern oder am Stromkasten in der Quartierstrasse. Und meist ist ihre Botschaft die gleiche: Kaufe! Klicke! Konsumiere! Der neu gegründete Verein «Mach Platz!» möchte eine andere Perspektive eröffnen: eine Stadt, in der der Blick zur Ruhe kommt, Plakate, die nicht nur zu Konsum auffordern und ein öffentlicher Raum, der von vielen Menschen mitgestaltet wird.

Um das auszuprobieren, bucht der Verein «Mach Platz!» diesen Sommer erstmals einzelne Plakatflächen an verschiedenen Orten in Basel. Während vier Wochen werden diese mit Arbeiten von 20 jungen Gestalter*innen bespielt. «Wir wollen damit ein Zeichen setzen für mehr Demokratie, mehr Kunst und Kultur im öffentlichen Raum», sagt Fina Girard, Vorstandsmitglied des Vereins und Grossrätin des Jungen grünen Bündnis.

Werbung prägt den öffentlichen Raum. Was dort sichtbar wird, entscheidet oft, wer dafür bezahlen kann. Dem will der Verein entgegenwirken – der Raum soll nicht von Einzelnen, sondern von vielen Menschen mitgestaltet werden. Parallel soll ein Bewusstsein dafür entstehen, wer derzeit die Macht und Möglichkeit hat, den Raum in Basel einzunehmen.

Ein Balanceakt 

Für Kunst werden die Plakatflächen heute nur selten genutzt. Und selbst wenn Kunst auf Plakaten erscheint, dient sie meist ebenfalls dazu, für etwas zu werben. Genau hier möchte der Verein ansetzen und gegensteuern. «Vielleicht kippt es diesmal ein Stück weit auf die andere Seite und stösst so einen Diskurs an», sagt Tim Züger, Vorstandsmitglied des Vereins «Mach Platz!». Dabei gehe es nicht darum, Werbung vollständig aus dem Stadtraum zu verbannen: «Am Ende muss es ein Balanceakt sein.» Auch Fina Girard betont: «Es geht uns nicht darum, nur Forderungen zu stellen – wir wollen eine mögliche Alternative und eine andere Zukunft sichtbar machen.»

Fina Girard und Tim Züger
Wir wollen eine mögliche Alternative und eine andere Zukunft sichtbar machen
Fina Girard und Tim Züger, Vorstandsmitglieder von «Mach Platz!»

Das Projekt versteht sich als Experiment: Ideen werden ausprobiert, Erfahrungen gesammelt und Ansätze laufend weiterentwickelt. Der Vorstand des Vereins sei dabei «sehr wild» zusammengesetzt «mit Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen», sagt Girard. Sie bringt zudem eine klimapolitische Perspektive in das Projekt ein: Werbung sei häufig auf Konsum ausgerichtet, etwa für Flugreisen oder Fast Fashion. 

Für die Konzeption der 20 Plakatstellen im Sommer arbeitet der Verein mit einer Gruppe von 20 Studierenden des Masterstudiengangs am Institute Digital Communication Environments (IDCE) der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) in Basel zusammen. Für jede Künstler*in ist dementsprechend eine Plakatfläche vorgesehen. Die Studierenden entwickeln visuelle Ansätze, die Passant*innen dazu anregen sollen, über Themen wie öffentlichen Raum, Konsum oder Mitbestimmung nachzudenken. «Es gibt grundsätzliche Kriterien, was man nicht zeigen darf. Ansonsten sind wir sehr offen», sagt Züger. Bei jeder Ausgabe wird ein zentrales Thema gesetzt. Für die erste Ausgabe lautet es Demokratie.

  • Werbung Claraplatz
    Ob beim Warten auf den ÖV (Bild: Dominik Asche)
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    oder während dem Kaffeeplausch: (Bild: Dominik Asche)
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    Die Werbeplakate sind in Basel gut sichtbar. (Bild: Dominik Asche)

KI ändert den Werbemarkt

Künstliche Intelligenz verändert auch den Markt für Plakatwerbung. Bilder, Layouts und Slogans lassen sich heute schnell generieren und in grosser Zahl variieren. Dadurch sinken die Produktionskosten, Kampagnen können schneller umgesetzt werden. Oft zulasten der Qualität. Gleichzeitig steigt der Druck auf Designer*innen. Girard befürchtet, dass gestalterische Arbeit entwertet wird und weniger Menschen für solche Aufträge engagiert werden. «Wir wollen gerade jungen Künstler*innen, die vor einer unsicheren Zukunft stehen, eine Möglichkeit geben, über diese Plattform sichtbar zu werden», sagt sie.

Die 20 Plakate werden voraussichtlich im Juni entlang einer kleinen Route durch die Stadt aufgehängt. Ob es weitere Ausgaben geben wird, lässt der Vorstand des Vereins offen. Nach Abschluss der ersten Ausgabe wird das Projekt evaluiert, mit dem Ziel, es langfristig fortzuführen.

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Dominik Asche machte eine Lehre bei Radio X in Basel. Als Digital Produzent baute er in verschiedenen Unternehmen Social Media Accounts mit auf. Die Ausbildung zum Pressefotografen am MAZ brachten ihn zurück in den Journalismus. Als Multimedia Journalist zu Bajour.

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