Warum stimmen junge Basler*innen seltener ab als ältere?
Junge Menschen beteiligen sich weniger an Abstimmungen als die Generationen über ihnen. Woran liegt das? Und könnte E-Voting die Beteiligung erhöhen? Wir haben in der Basler Innenstadt nachgefragt.
«Ich bin jetzt zum ersten Mal abstimmen gegangen. Für grosse Themen auf nationaler Ebene stimme ich sicher ab, weil man darüber viel mehr informiert wird, auch in den sozialen Medien. Aber ich finde, alle Themen sind wichtig. Wenn die Eltern nicht abstimmen gehen, interessiert es einen selbst vielleicht auch weniger.» Ob das E-Voting fördernd für Jugendliche sein kann, ist für sie nicht zentral. «Schweizer*innen im Ausland und eingeschränkte Personen gehören auch dazu, darum finde ich das E-Voting wichtig.» Ihr Ansatz ist: «Politik sollte mehr thematisiert werden in der Schule.»
Zur Frage, ob er regelmässig abstimmen geht, hat Nils eine ehrliche Antwort: «Nein, ich mache das leider nicht, weil ich mir zu wenig Zeit dafür nehme. Ich lese viel mehr über den Krieg oder andere schlimme Sachen auf der Welt, als darüber, worüber in der Schweiz abgestimmt wird.» Seinen Freund*innen geht es ähnlich: «Wenn ich meine Kollegen frage, was läuft, wissen sie es auch nicht und sind mega fest mit ihrer Arbeit beschäftigt. Das Thema Geld ist aktuell sehr schwierig. Alles wird teurer. Viele Leute, die in Armut leben oder knapp bei Kasse sind, haben dort schon genug Probleme, und erachten diese als wichtiger als die Abstimmungen.»
Das E-Voting sieht er ganz kritisch. «Ich würde stark behaupten, dass das keine gute Lösung ist, weil es die Möglichkeit offenlässt, dass irgendwer das hacken kann, dann hat man ein riesiges Problem mit der Vertrauenswürdigkeit. In Amerika war das ja auch schon Thema. Ich möchte einfach so wenig Raum für Betrug wie möglich geben. Abstimmungen muss man Leuten schmackhafter machen. Ich habe letztens gelesen, dass 26 Prozent der Stimmberechtigten in der Schweiz abstimmen. Das ist nichts. Das ist keine Demokratie. Das ist ganz, ganz kritisch.»
«Ich probiere so oft wie möglich abzustimmen. Manchmal verstehe ich aber nicht genau, was die Fragen sind. Was mich davon abhält abzustimmen ist, wenn ich etwas nicht verstehe, weil ich dann Angst habe, das Falsche zu wählen. Wenn man in der Familie keine Person hat, die abstimmt, wüsste ich nicht, wie man an die nötigen Informationen kommt. Menschenrechte und das Klima sind für mich wichtige Themen. An sich ist E-Voting sicher ein guter Weg, jüngere Personen mehr anzusprechen.»
«Ich stimme immer ab. Wenn mich etwas vom Abstimmen abhält, dann ist es zeittechnisch, aber dafür nehme ich mir eigentlich immer Zeit. Am meisten interessieren mich die Themen, die mich direkt betreffen, wie die Nachhaltigkeit. Das Abstimmen geht relativ schnell unter. Ich sehe das E-Voting ein bisschen kritisch, da man es relativ schnell manipulieren kann, nehme ich an. Beim physischen Abstimmen ist das viel schwieriger. Ich denke, es ist besser, wenn man es auf die old-fashioned Art macht.»
«Ich stimme jedes Mal ab, wenn es wieder so weit ist. Wenn es etwas ist, das ich unbedingt verhindern möchte, stimme ich auf jeden Fall ab. Es ist anstrengend, sich in alles einzulesen und sich selbst eine Meinung zu bilden. Auf Social Media wird man sehr stark mit Inhalten darüber beschallt, was man wählen soll und was nicht. Das kann verwirrend sein. Ich glaube, man muss vor allem in der Schule anfangen und den Kindern beibringen, dass es wichtig ist, seine eigene Meinung haben zu dürfen und so unsere Demokratie zu schützen.»
«Meine Schwester erinnert mich immer wieder daran abzustimmen. Das Verständnis ist ein grosser Punkt, warum junge Leute nicht abstimmen. Auch das Gefühl, dass es einen nicht betrifft, trägt dazu bei. Man sieht auf Insta immer recht viel über die Abstimmungen, das hilft schon mega. Ich lasse meinen Brief mit den Unterlagen immer mega lang zu Hause, bis ich ihn zur Post bringe. Ich glaube E-Voting wäre da hilfreich.»
«Ich gehe selten abstimmen, weil ich wenig Zeit habe. Mit politischen Themen kenne ich mich noch nicht so gut aus. Ich glaube, junge Menschen stimmen nicht ab, weil sie auf Social Media nicht gut informiert werden. Ich finde E-Voting eine gute Idee, man müsste es gut strukturieren.»
Die Gründe, warum junge Menschen nicht abstimmen gehen, unterscheiden sich kaum von jenen der älteren Generationen. Auch die Hürden und Unsicherheiten sind ähnlich. Ideen, um die Beteiligung zu erhöhen, gibt es dennoch. Laut den interviewten Basler*innen sollte politische Bildung früh beginnen – am besten bereits in der Schule. Genannt werden etwa Plakate auf dem Pausenhof, die auf aktuelle Abstimmungen aufmerksam machen, politische Diskussionen im Unterricht zur Förderung der freien Meinungsbildung oder Klassenausflüge, die komplexe Themen anschaulicher machen. So könnte der Übergang ins Abstimmungsalter erleichtert werden.
Ganz pessimistisch fällt der Blick ohnehin nicht aus: In Basel ist die Stimmbeteiligung in den vergangenen zehn Jahren um rund zwölf Prozent gestiegen. Insgesamt zeigt das Engagement also eher nach oben.