Auf der Suche nach der Wahrheit

KI im Schulalltag

Lernen wir noch etwas? Und muss der Unterricht wegen KI verändert werden?

Wettbewerb Scoop

Dieser Text ist im Rahmen des Wettbewerbs Scoop! des Vereins Journalistory erschienen. Insgesamt 25 Beiträge wurden von Jugendlichen mit mehrheitlich Jahrgang 2008 eingereicht. Alle besuchen in der Region Basel Schulen der Stufe SEK II. Bajour veröffentlicht die Beiträge der Gewinner*innen. Auf den Inhalt hat Bajour keinen Einfluss genommen.

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Um 07:57 Uhr füllt sich das Klassenzimmer. Laptops gehen auf, Bildschirme leuchten und noch bevor der Unterricht beginnt, sieht man überall offene KI-Tools. Kaum erklärt die Lehrperson den ersten Auftrag, tippen viele nur eine Frage ein, wenige Sekunden später erscheint die Lösung. Während wir beobachten, wie selbstverständlich KI geworden ist, stellen wir uns unsere Leitfrage: Lernen wir überhaupt noch etwas selbst, und muss sich der Unterricht verändern?

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KI im Unterricht, unsere Beobachtungen

Im Unterricht fällt uns auf, wie oft KI genutzt wird. Viele lassen sich Begriffe erklären oder Zusammenfassungen erstellen. Ein Schüler erzählt uns im Gespräch, dass er ChatGPT und Perplexity täglich verwendet, vor allem, um Aufgaben schneller zu verstehen und Fehler zu vermeiden. Bei komplexeren Fächern wie Geschichte helfe KI besonders viel, erklärt er, weil man da nicht einfach raten kann wie in Mathe.

Unsere Umfrage an allen WMS-Standorten im Baselbiet zeigt ein klares Bild:

70 Prozent nutzen KI täglich, nur eine Person nie.

Die häufigsten Gründe sind Erklärungen (25), Zusammenfassungen (20), Textprüfung (18) und Übersetzungen (15). KI wird damit längst in fast allen Fächern eingesetzt, am häufigsten in Geschichte und Politik (24), Französisch (23), Technik und Umwelt (20) sowie Wirtschaft und Recht (18).

Bemerkenswert ist auch, dass 90 Prozent der Befragten angeben, dass sich ihre Noten durch KI verbessert haben. Gleichzeitig schreiben mehrere, dass sie fauler geworden sind und weniger selbst suchen.

Interview mit einem Schüler und einer Lehrperson

Ein Schüler beschreibt uns, dass KI sein Lernverhalten verändert hat. Er sagt: «Ich spare Zeit, aber ich kontrolliere vieles trotzdem.» Manchmal schaue er die Antworten aber nicht gründlich durch, weil er keinen Bock habe. Auf die Frage, ob er Angst habe, zu abhängig zu werden, meint er: «Eigentlich will ich eher mehr abhängig werden, KI hilft mir einfach viel.»

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Ein IKT-Lehrer sieht das differenzierter. Er beobachtet, dass KI auch in Prüfungen genutzt wird, findet aber wichtig, dass alle dieselben Möglichkeiten haben. Er sagt: «Nicht jeder kann sich GPT Plus leisten, das darf nicht über Erfolg entscheiden.» Er betont, dass Schüler lernen müssen, richtig zu prompten und sieht sowohl Risiken als auch Chancen. «Weniger selbst lernen ist möglich, aber KI kann Lernprozesse auch verbessern.» Langfristig könne er sich sogar vorstellen, dass KI irgendwann Lehrpersonen ersetzt.

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Was bedeutet das für die Schule

Unsere Recherche zeigt, dass sich die Lernrealität der Schüler stark verändert hat, der Unterricht aber kaum. Die Schule arbeitet oft noch mit analogen Methoden, während KI den Schülern bereits Erklärungen, Beispiele, Übungen und Struktur liefert. Verbote bringen wenig, da KI ohnehin genutzt wird. Sinnvoller wäre ein Unterricht, der kritisches Denken stärkt, zeigt wie man KI-Antworten überprüft, Datenschutz und Risiken erklärt, digitalere Lernwege ermöglicht, Aufgaben stellt, die Verständnis statt Abschreiben verlangen und den Umgang mit KI und Prompts aktiv vermittelt.

Auch die Schüler selbst wünschen sich das. In den Umfrageantworten tauchen Begriffe wie einfachere Erklärungen, angenehmer, weniger Aufwand, aber auch fauler und Gefahr des Nichtlernens auf. Genau hier liegt das Spannungsfeld der Zukunft.

Lernen die Schüler noch etwas

Ja, aber anders. KI ersetzt nicht das Denken, aber sie ersetzt mühsame Wege. Langes Suchen, komplizierte Texte und unklare Erklärungen fallen weg. Viele verstehen heute mehr, weil KI individuell und verständlich erklärt. Lernen findet also weiter statt, nur schneller und digitaler.

Muss der Unterricht geändert werden

Ja, eindeutig. Nicht weil KI ein Problem ist, sondern weil der Unterricht sonst nicht mehr zur Realität der Lernenden passt. Wenn 70 Prozent täglich KI nutzen und 90 Prozent bessere Noten haben, braucht es Unterricht, der mit KI arbeitet und nicht gegen sie.

Unsere Antwort lautet deshalb:

Schüler lernen weiterhin, aber der Unterricht muss sich verändern. Die Zukunft liegt nicht im klassischen Lernen oder in der KI, sondern im Lernen mit KI. Wie gut das funktioniert, hängt am Ende nicht von der KI ab, sondern davon wie wir sie nutzen.

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