Basler Filmschaffende, wieso sollen wir Ja stimmen?

Fünf Filmschaffende, fünf Argumente.

Am 15. Mai stimmt die Schweiz über das neue Filmgesetz ab (alle Infos dazu hier als übersichtliches Video vom SRF). Was sagen Basler Filmschaffende dazu? Wir haben uns umgehört.

Jonas Schaffter, Dokumentarfilmer

Filmregisseur aus Metzerlen
(Bild: Christoph Däppen)

«Junge Menschen gehen immer seltener ins Kino und stillen ihren Film- und Serienhunger durch diverse ausländische Streamingdienste. Gerade wir jüngeren Filmemacher*innen sind also immer mehr auf Zusammenarbeiten mit Netflix und Co. angewiesen! So haben wir auch die Möglichkeit, das Publikum von Schweizer Filmen und Serien zu überzeugen – und zwar mit neuen Filmformaten, die sich mit Geschichten unserer unmittelbaren Umgebung auseinandersetzen. Wer das nicht schauen will, dem rennen die amerikanischen oder südkoreanischen Produktionen nicht davon.

Gerade Basel und das Dreiländereck bieten spannende Geschichten für Dokumentarfilme, Spielfilme oder auch Serien, die wir durch die Streaming-Plattformen in die Welt hinaus tragen könnten. Das Potential ist riesig – auch für internationale Koproduktionen über die Landesgrenzen hinaus. Ein Ja zum neuen Filmgesetz würde den Schweizer Film besser machen und vor allem uns Filmschaffenden aus der Region eine neue Perspektive geben.»

Arami Ullón, Regisseurin

Arami Ullon -  0058 (1)
(Bild: Martín Crespo)

«Ich bin in Paraguay aufgewachsen, wo wir nur Zugang zu Filmen hatten, die sich gut verkauften. Das führte zu Generationen von Menschen, die ein sehr simples und polarisiertes Weltbild haben. Die Vielseitigkeit von Film zu fördern, bedeutet also immer auch, die Muskeln des kritischen Denkens zu trainieren und so das Anderssein und die Empathie dafür zu stärken. Was am Ende doch eine Demokratie ausmacht. Diese Demokratie, auf die wir in der Schweiz so stolz sind.»

Giacun Caduff, Regisseur und Produzent

giacun caduff
(Bild: Salome Christina Jermann)

«Kürzlich überlegte ich mir, wie ich meinen Vater überzeugen kann, Ja zu stimmen. Er ist Architekt, ich verglich es also mit einem Hausbau: Du baust ein Haus und du möchtest Baufirmen aus der Region damit beauftragen. Um deinen Teil zur Schweizer Wirtschaft beizusteuern. Nur findest du keine Schweizer Firma sei gut genug für deinen Auftrag. Also holst du dir eine Küche aus Deutschland, Steine aus Italien, etc. Das Geld fliesst ins Ausland und die Schweizer Firmen haben nichts davon. Schlimmer noch: Sie haben gar nicht erst die Chance, sich zu beweisen. Geschweige denn zu wachsen. Eine Praxis, die unserer Wirtschaft längerfristig keinen Dienst erweist. Willst du das? Die Antwort war Nein. Ich hatte ihn überzeugt.»

Aline László, Kamerafrau

AlineLaszlo (1)
(Bild: zVg)

«Wenn die Schweiz Nein zum Filmgesetz sagt, arbeite ich weiter wie zuvor. Nur nicht in der Schweiz. Denn die interessanten Produktionen werden mit einem Nein im Ausland stattfinden, mehr, als sie es ohnehin schon tun. Ein Ja schafft nicht nur Arbeitsplätze, es macht den Schweizer Film auch auf internationalen Streamingplattformen sichtbarer und konkurrenzfähiger. Es fördert die Vielfalt – und die Wahrscheinlichkeit, dass ich meine Arbeit hier mache und nicht ins Ausland abwandere.»

Manuel Gübeli, Filmemacher

gübell
(Bild: Aissa Tripodi)

«Ein Ja zum Filmgesetz hilft mit, dass weiterhin gute Schweizer Filme produziert werden können. Es kostet niemanden etwas, ausser ein paar Milliardenunternehmen, die all ihr Geld mit dem Verkauf von – richtig! – Filmen machen. Wer möchte, dass es bei uns weiter Filmemacher*innen gibt, die sich kritisch mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen können, nimmt die Änderung an. Das zu Verhindern ist nämlich das wirkliche Ziel der Nein-Kampagne. Für mich persönlich wäre ein Nein in erster Linie eine Enttäuschung. Weil es einmal mehr hiesse, dass uns als Gesellschaft Profite grosser Unternehmen wichtiger sind als Kunst und Kultur.»

Das könnte dich auch interessieren

Protestaktion bei Roche gegen Trump-Entscheid zu Diversity

David Rutschmann am 02. April 2025

Mehr als nur symbolische Konzernpolitik

Was bedeutet es, wenn die hiesigen Unternehmen für Trump ihre Vielfaltsziele streichen? Manche sorgen sich, dass das die geschlechtsspezifische Forschung gefährden könnte. Basel will mit Protest und Petitionen ein Zeichen setzen.

Weiterlesen
Catherine Miville-1 (5)

Cathérine Miville am 01. April 2025

Tag und Nacht

Bajour-Kolumnistin Cathérine Miville hat Mühe. Eben erst war noch Morgestraich, Piccoloklänge überall und plötzlich pfeifen die Vögel den Frühling ein und die Uhren werden vorgestellt. Wer kann da den Rhythmus behalten?

Weiterlesen
Philipp Bollinger ESC

Michelle Isler am 28. März 2025

Ist das der grösste ESC-Fan der Region Basel?

Philipp Bollinger hat seit seiner Kindheit keinen Eurovision Song Contest verpasst. Dieses Jahr fällt seine ESC-Party zum ersten Mal seit Jahrzehnten aus – und Bollinger freut sich ungemein. Ein Besuch zuhause in seinem «Kompetenzzentrum».

Weiterlesen
Woko Ina Femizid häusliche gewalt

Ina Bullwinkel am 28. März 2025

Gefährlich wird es zu Hause

Die angezeigten Fälle im Bereich der häuslichen Gewalt steigen, dieses Jahr gab es in der Schweiz bereits neun Femizide. Frauen werden immer wieder zum Opfer ihrer Ehemänner oder Ex-Partner. Und der Aufschrei bleibt aus. Ein Kommentar von Chefredaktorin Ina Bullwinkel.

Weiterlesen
Naomi

Bei Bajour als: Ideenschleuder, Gaspedal, Podcasterin

Hier weil: keine Lust mehr auf Verlagsbunker

Davor: Kulturredakteurin bei Tageswoche, bz, SRF Kultur

Kann: Zuhören

Kann nicht: Witwen schütteln

Liebt an Basel: Die Gipfeli im Damatti, der Schnaps im goldenen Fass, die Seerosen im Beyeler.

Vermisst in Basel: Einen anständigen Glacéladen. Nein, auch das Acero reicht meinem verwöhnten Berner Gaumen nicht. (Gelateria, zu Hilf!)

Interessensbindungen: Reporterforum (Vereinsmitglied), Medienfrauen Schweiz, Podcastlab Schweiz (Gründermitglied)

Kommentare