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Wem gehört Basel?

Juhui, wir haben schon das ganze Santihans!

In zwei Tagen hat die beste Community der Welt die Adressen des ganzen Quartiers gesammelt. Darunter eine alte Bekannte, die wir von den Massenkündigungen kennen.

Angela Krenger

02/05/21, 03:35 AM

Aktualisiert 02/11/21, 10:54 AM

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(Foto: via onlinestreet.de)

Die Besitzer*innen-Namen kommen schneller zusammen, als wir von Bajour sie auswerten können! In nur zwei Tagen hat die Community Adressen von knapp 8000 Liegenschaften ins Webtool unseres IT-Zauberers Silvan Hahn eingetragen. Bedeutet: Leute, ihr habt schon das St. Johann geknackt!

Silvan ist daran, eine Übersichtskarte zu erstellen. So dass man auf einen Blick sieht, wem das Quartier gehört. Hier schon mal eine erste Auswertung:

Zurich, wir haben dich

Eine Blackbox habt ihr mit eurem Einsatz schon mal geknackt: den Besitz der Zurich Versicherung. Dieser Player ist uns schon länger bekannt. Bajour dokumentiert seit einem halben Jahr Massenkündigungen der Stadt. Die Recherche zeigte: Die Zurich Versicherung hat in Basel mehrere Hundert Basler*innen auf die Strasse gestellt, etwa im Gotthelf und im Gellert. Als wir aber von der Zurich wissen wollten, ob sie noch mehr Häuser in Basel besitzt, wimmelte sie uns ab. Jetzt wissen wir dank den von euch erhobenen Daten: Auch im St. Johann hat die Zurich Versicherung Liegenschaften. Und zwar:

  • Am Krayenrain
  • und an der Lothringerstrasse

Was hat die Zurich mit den Häusern vor? Wir fragen nach und geben euch ein Update. 

Die Zurich ist nicht der einzige Player, der uns bei der ersten Auswertung aufgefallen ist. Die Daten zeigen, dass zwei sehr grosse Investor*innen im Santihans Liegenschaften besitzen:

  • die Swiss Life
  • die Balintra AG 

Swiss Life, wir beobachten dich

Beide Immobilienriesen sind in Basel auf dem Immobilienmarkt aktiv. Die Lebensversicherung Swiss Life hat 2019 den grossen Coup gelandet und sich das ehemalige BASF-Areal im Klybeck-Quartier zugesichert. Dort soll in den nächsten Jahren ein neuer Stadtteil entstehen: 120'000 Quadratmeter Fläche, bei denen es umstritten ist, wie viel die Basler*innen zu sagen haben werden und wieviel gemeinnütziger Wohnraum dabei entstehen soll. 

Dank unserer fleissigen Community wissen wir, dass die Swiss Life auch im St. Johann Liegenschaften besitzt. Und zwar dort, wo man sie nicht unbedingt vermuten würde: Am Luzernerring. Eine eher unscheinbare Häuserzeile, erbaut in den 1950er-Jahren. 

Die Swiss Life gehört zu den 15 grössten Immobilien-Giganten der Welt. Und in der Schweiz führt die Versicherungsgesellschaft eines der grössten Schweizer Immobilienportfolios. Dieses ist gemäss eigenen Angaben der Swiss Life 52,7 Milliarden Franken wert. 

Die Anlagestrategie von Swiss Life geht so gut auf, dass die Versicherung den Zukauf von Immobilien gänzlich aus der eigenen Tasche finanzieren kann. So gelingt es ihr, ihre Konkurrent*innen auf dem Immobilienmarkt meistens auszustechen. Ausserdem spielen die Negativzinsen, die nun seit rund 5 Jahren den Finanzmarkt in der Schweiz prägen, den Investor*innen wie die Swiss Life in die Hände: Immobilien sind eine sehr sichere Wertanlage.

Wem gehört Basel? Mit dir finden wir es heraus.

Wem gehören eigentlich all die Häuser in Basel? Und was haben die Eigentümer*innen mit unserer Stadt vor?

Wir wollen es wissen. Und brauchen deine Hilfe!

Balintra, wir kennen dich

Noch mehr Immobilien im St.Johann besitzt die Balintra AG. Sie besitzt einige Mehrfamilienhäuser an: 

  • Elsässerstrasse
  • Ryffstrasse
  • Hüningerstrasse 
  • Mülhauserstrasse

Und auch sonst ist die Balintra AG umtriebig. Die Firma gehört zum Immobilienfonds «Sima», der wiederum im Besitz der Investmentbank UBS ist. «Sima» ist der grösste Immobilienfonds der Schweiz mit einem Verkehrswert von rund 99 Milliarden Franken. Jährlich nimmt die UBS damit knapp 400 Millionen Franken Mieteinnahmen ein. 

Im Kleinbasel baut die Balintra AG – also die UBS – den Claraturm, in dem neben Büroräumlichkeiten und Geschäftsflächen 304 Wohnungen entstehen sollen, die, wie die Firma auf der Webseite des Projekts beschreibt den Neumieter*innen «ein repräsentatives Zuhause» bieten sollen. Aus dem PR-Sprech übersetzt: Renditeobjekte. Die Basler Stimmbevölkerung hat 2013 dem Bau zugestimmt.

Wir werden bei den beiden Investorinnen nachfragen, was sie mit ihren Häusern vorhaben. Planen sie Sanierungen? Worauf müssen sich die Bewohner*innen einstellen? Stay tuned, wir halten dich auf dem Laufenden.

Community, wir ❤️ dich

So, an dieser Stelle müssen wir noch ein bisschen Liebe zurückgeben. Wir haben in den letzten zwei Tagen so viel Zuspruch erhalten für unser Rechercheprojekt. Dabei ist ja klar: Ohne Euch wäre das gar nicht möglich! #ZusammenSindWirStark.

Was uns ebenso freut: Unter den positiven Rückmeldungen waren auch Mails von Stiftungen, Genossenschaften und privaten Immobilienbesitzer*innen, die gemeinnützigen Wohnraum anbieten und fördern. Sie seien begeistert vom Projekt und wollen uns ihre Daten freiwillig zur Verfügung stellen. Danke dafür!

Habitat, wir sehen dich

Ein Blick auf unsere ersten Daten zeigen, dass Stiftungen auch im St. Johann aktiv sind. Die Habitat, beispielsweise, besitzt im St. Johann rund 15'600 Quadratmeter Fläche und 13 Liegenschaften.

Die Stiftung ist in Basel und Umgebung tätig mit klarem Fokus auf die Stadt. In der Gegend von St. Johann hat die Habitat neun Standorte. Viele davon an der Lothringerstrasse. Die Stiftung verfolgt einen klaren Zweck. Sie will Raum schaffen und zwar für alle. Das heisst, sie setzt sich für bezahlbare Wohnungen ein, für eine lebenswerte Umgebung, will vielfältige Begegnungs- und Arbeitsorte schaffen.

So zum Beispiel an der Elsässerstrasse 201. Dort baut die Stiftung das ehemalige Weinhaus von Coop aus dem Jahr 1955 um. Es sollen Wohnungen, ein Café, Praxisräume, ein Laden und eine Velowerkstatt entstehen; inklusive einer überdachten Dachterrasse mit Gemeinschaftsraum. Für Leute, die nur wenig Miete bezahlen können, gibt die Stiftung zum Teil Mietzinsbeiträge.

Kritiker*in, wir schätzen dich

Natürlich erhielten wir auch kritisches Feedback: Manche Leser*innen haben Angst, dass wir in unseren Recherchen Hausbesitzer*innen vorführen. Deshalb möchten wir an dieser Stelle noch einmal unser Versprechen wiederholen: Wir gehen sorgfältig mit den Informationen um und halten den Datenschutz ein.

Bajour-Publikationen unterliegen den strengen Regeln des Schweizer Presserats, einfache Immobilienbesitzer*innen werden wir nicht gegen ihren Willen nennen – von den Grossen mit den «grossen Plänen» für «unsere Stadt» hingegen werden wir uns künftig nicht mehr abwimmeln lassen müssen. Dank euch!

Weiter so: Bis Fasnacht haben wir die ganze Stadt! Zusammen schaffen wir das.

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