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Fasnacht trotz Krieg – «Jetzt erst recht das Leben geniessen»

In Europa herrscht Krieg, Menschen in der Ukraine kämpfen oder sind in Lebensgefahr. Gleichzeitig soll in Basel nach Corona endlich wieder eine ausgelassene Fasnacht stattfinden. Was tun? Die Gärngschee-Community spricht sich mehrheitlich für ein Feiern der drey scheenschte Dääg aus.

02/25/22, 10:42 AM

Aktualisiert 02/25/22, 04:04 PM

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Durch die Stadt ziehen und musizieren? Für manche ist das angesichts des Kriegs in der Ukraine unvorstellbar.

Durch die Stadt ziehen und musizieren? Für manche ist das angesichts des Kriegs in der Ukraine unvorstellbar. (Foto: Unsplash (Collage by Bajour))

In Köln hat das Festkomitee das Rosenmontagsfest abgesagt. Es gibt auch Basler Stimmen, die sagen, während der Kriegssituation sollte man keine Fasnacht machen – aus Solidarität. Was findest du?

Die meisten Mitglieder der Gärngschee-Community stimmten für das Stattfinden einer Fasnacht.

Die meisten Mitglieder der Gärngschee-Community stimmten für das Stattfinden einer Fasnacht.

Mehrheit will eine Fasnacht

Gärngschee-Mitglied Tanja findet, dass es streng genommen immer gute Gründe geben würde, warum die Fasnacht nicht stattfinden dürfte – schliesslich würden ja täglich schreckliche Dinge auf der Welt passieren. Sie findet es okay, Fasnacht zu feiern, vor allem für die Kinder sei es schön, ein paar Stunde Freude zu haben. Sie wolle aber nicht falsch verstanden werden, auch sie finde es schrecklich, was in der Ukraine passiert.

Barbara hat eine andere Meinung, sie möchte keine Fasnacht. Ihr sei gar nicht zum Feiern zumute, ihr mache der Krieg Angst und was Putin als Nächstes machen könnte.

Die grosse Mehrheit der Community spricht sich dafür aus, trotz allem an der Fasnacht festzuhalten. So zum Beispiel auch Denise. Pat ist zwar kein Fan der drey scheenschte Dääg, meint aber, sie solle stattfinden: «Ich finde, dass so eine kriegerische Aktion nun keinen Einfluss auf das soziale Leben in der Schweiz zu haben braucht.»

Nadja teilt die Meinung von Denise, es gebe «unzählige trurige Sache uf dere Welt». Es würde sich aber etwa niemand dafür interessieren, dass täglich Tausende Kinder an Unterernährung sterben. «Wenn meh bi allem so handle wurd, ..., hätte mir niemehr Fasnacht, Wiehnachte, Ostere, Mäss«, schreibt sie. Nadja erinnert an die Menschen, die in der Corona-Zeit schwere Zeiten durchgemacht haben und findet: «Die paar Täg, wo eim chli s Wältgscheh vergässe lönn, bruchts eifach.»

Schweigen für die Ukraine

Vielen, gerade denen mit Familie und Freunden in der Ukraine, könnte selbst ein kurzes Vergessen unmöglich sein. Wäre eine Schweigeminute ein guter Kompromiss? Das schlägt Community-Mitglied Sani vor. An jedem Tag der Fasnacht soll die Feiergesellschaft für mehrere Minuten innehalten und der Menschen in der Ukraine gedenken.

Auch Anny ist dagegen, wegen des Krieges auf «jegliche Freuden» zu verzichten, das würde dem ukrainischen Volk nicht helfen. Sie glaubt, dass man Solidarität zeigen kann und gleichzeitig Fasnacht feiern.

«Wir sollten Fasnacht machen - UND uns dort einbringen, wo wir etwas bewirken können: Mit unserm Einkaufsverhalten, mit effizienten Klimamassnahmen, mit direkter Hilfe für Menschen in Not es gibt so viele Möglichkeiten», schreibt Domenica.

Lieber verzichten?

Es gibt aber auch klare Stimmen gegen die Fasnacht. Mitglied Hanni findet: «Aus Solidarität sollten wir verzichten!» Ähnlich sieht es Ruprecht. Er findet, mit dem Krieg habe sich die Situation in Europa sehr verändert. «Jetzt meine ich, ist die Situation in Europa viel zu traurig geworden, dass man einen Grund hätte, Fasnacht zu feiern.» Ohne die Eskalation in der Ukraine wäre es jedem selbst überlassen gewesen, aufgrund der Pandemiesituation zu verzichten oder nicht. Mit dem Krieg sei für ihn eine Fasnacht jetzt ausgeschlossen. Auch Roberto sagt: «Eine Fasnacht unter diesen Umständen wäre geradezu pervers.»

Nicht ganz so leicht macht es sich Leyla. Sie kommentiert: «Ich finds e sehr schwers Thema 🤔» Sich eine klare Meinung zu bilden, fällt sicher einigen schwer: Auf der einen Seite musste lange auf die Fasnacht verzichtet werden und auf der anderen Seite möchte man nicht respektlos gegenüber den Menschen in der Ukraine sein. Ylaluna meint jedoch, es gehe beides. Basel müsse eine Fasnacht abhalten und den Krieg angemessen thematisieren, findet sie.

Gerade weil uns der Krieg in der Ukraine auch persönlich treffen könnte, sollten wir jetzt noch unser Leben geniessen, kommentiert Lawrence. «Gleichzeitig kann man sich z.B. dafür einsetzen, Flüchtlinge aufzunehmen. Wovon die Betroffenen dann auch wirklich etwas davon haben.»

«Kei scheiaweia Schunggelveraastaltig»

Manche Mitglieder der Gärngschee-Community argumentieren damit, dass die Basler Fasnacht durchaus Tiefgang hätte und es nicht nur ums Feiern gehe. «d Basler Fasnacht isch kei scheiaweia Schunggelveraastaltig, sondern e us Satire prägti, ärnschti Sach, wo scho immer s Wältgscheh kritisch in Sujet umgsetzt het ... », schreibt Denise. Community-Mitglied Federico sieht es genauso. Er schreibt, die Fasnacht sei für die «ächte Fasnächtler» eine ernste Sache mit Tiefgang, die auch in Kriegszeiten ihre Berechtigung habe.

Sandy weist darauf hin, dass jede*r auf seine oder ihre eigene Art mit der aktuellen Situation umgeht. Sie ist deshalb dafür, an der Fasnacht festzuhalten. «Ich persönlich freue mich für die Fasnächtler, dass sie endlich nach 2 Jahren wieder fasnächtlen dürfen», schreibt sie. Sie frage sich, was eine Absage der Fasnacht bewirken solle und findet, die Fasnacht bietet sehr wohl die Möglichkeit, Solidarität zu zeigen, etwa mit einem Ständeli. «Lasst und zusammenstehen und der Welt zeigen, dass wir an sie denken!»

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