Berliner Galerie expandiert ans Rheinknie

Es tut sich was in der Basler Galerist*innenszene. Die renommierte Berliner Galerie Contemporary Fine Arts (CFA) eröffnet ihren ersten Ableger in der Schweiz – natürlich in der Kunststadt Basel.

CFA Galerie Portrait Nicole Hackert und Bruno Brunnet
Nicole Hackert und Bruno Brunnet zieht es mit ihrer Galerie nach Basel. (Quelle: Albrecht Fuchs)

Die Galerienlandschaft in Basel bekommt prominenten Zuwachs. Bereits im Spätsommer wird die Berliner Galerie Contemporary Fine Arts (CFA) eine Dependance in der Innenstadt eröffnen, also pünktlich zu den Kunsttagen. Zu reden wird die Eröffnung aber sicher auch schon vorher, an der Art Basel geben.

CFA, gegründet Anfang der Neunziger in Berlin, ist eine der prägenden Programmgalerien der deutschen Hauptstadt. Die beiden Galerist*innen Nicole Hackert und Bruno Brunnet waren mit ihrer Arbeit massgeblich am Aufstieg Berlins zur Kunstmetropole in den Neunzigern und Nullerjahren beteiligt. Auf der Liste der Künstler*innen, mit denen Hackert und Brunnet zusammenarbeiten, finden sich international renommierte Namen wie Georg Baselitz, Dana Schutz, Cecily Brown, Sarah Lucas, Raymond Pettibon, Katja Strunz und Ulrike Ottinger. Der Mietvertrag für das Ladengeschäft im Haus Totengässlein 5 sei bereits unterzeichnet, teilen Hackert und Brunet auf Anfrage mit. Erste Umbauarbeiten sind im Gange. Die CFA-Filiale wird nur wenige Schritte vom Marktplatz und in unmittelbarer Nachbarschaft des Pharmaziemuseums der Uni Basel eröffnen.

«Auf uns wirkt die freundliche Gelassenheit in der Stadt am Rhein – übrigens als gebürtige Rheinländer – wie ein Kontrapunkt zum hektischen Moloch Berlin.»

Nicole Hackert und Bruno Brunnet, Galerie CFA

Für die Kunststadt Basel, die vor allem während der Kunstmessewoche Mitte Juni zum temporären Zentrum des internationalen Kunstgeschehens avanciert, ist der Zuzug der hochkarätigen Programmgalerie aus Berlin eine kleine Sensation. 2019 eröffnete bereits die US-Megagalerie Gagosian am Rheinsprung 1 eine Basel-Filiale. Doch ein Trend zur stetigen Internationalisierung der Basler Galerienszene lässt sich daraus gewiss nicht ableiten. Die Zahl der Kunsthändler*innen in der Stadt bleibt überschaubar.

Hackert und Brunnet haben sich bewusst für die entspannte Stadt am Rheinknie entschieden. Als regelmässige Teilnehmer*innen an der Art sei ihnen Basel gut bekannt, sagen die beiden Galeristen gegenüber Bajour. «Auf uns wirkt die freundliche Gelassenheit in der Stadt am Rhein – übrigens als gebürtige Rheinländer – wie ein Kontrapunkt zum hektischen Moloch Berlin. Die Stadtgesellschaft ist sehr kunstsinnig. Die Qualität und Quantität der Basler Museen und Institutionen sind für eine Stadt dieser Grösse einzigartig.»

Die beiden CFA-Galerist*innen fügen noch hinzu, dass sie auch die Dichte an hochkarätiger Architektur, die zentrale Lage in Europa und die Nähe zu den kulturellen Zentren Europa nach Basel lockten. Nicole Hackert ergänzt: «Natürlich gibt es auch wirtschaftliche Gründe, die es attraktiv machen, hier mit einer kleinen Filiale präsent zu sein.» Was das genau bedeutet, lässt die Galeristin bewusst offen. Allerdings darf man spekulieren, dass die Unterschiede im Steuerrecht und die im Vergleich zur Grösse hohe Kaufkraft in der Schweiz die Stadt zu einem ökonomisch attraktiven Standort machen.

«Wir wollten immer ein Familienunternehmen bleiben.»

Nicole Hackert und Bruno Brunnet

Auf den rund 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche seien zukünftig Kabinettausstellungen mit Künstler*innen aus dem CFA-Programm – also mit den Künstler:innen, mit denen die Galerie zusammenarbeitet – geplant, erklärt die Galeristin Hackert: «Ich kann mir auch kuratierte Ausstellungen vorstellen, durch die wir uns schon in Berlin einen Namen gemacht haben. Ich denke da an Formate wie die sehr erfolgreiche Ausstellung Max Beckmann im Dialog mit Cecily Brown, Dana Schutz und Ella Kruglyanskaya, die wir 2019 in Berlin gezeigt haben. Oder unsere Ausstellung ‹Neue Sachlichkeit› 2020.»

Kurz nach dem dreissigjährigen Galeriejubiläum im vergangenen Jahr erscheint der Zug in die Schweiz nicht als Ausdruck eines unternehmerischen Expansionsdranges und auch nicht als Abkehr von Berlin. Vielmehr geht es offenbar um die moderate Verstetigung eines bereits vorhandenen erweiterten Wirkungsradius. Und es gab wohl auch ganz profane Gründe, die einen derartigen Schritt erst jetzt möglich machten. «Wir wollten immer ein Familienunternehmen bleiben», erklären beide Galeristen. «Eine überschaubare Grösse war uns wichtig. Aus familiären Gründen wäre es bis jetzt einfach nicht möglich gewesen, eine Filiale zu eröffnen. Nun sind zwei unserer drei Kinder aus dem Haus, was es für uns möglich macht, in Basel auch eine gewisse persönliche Präsenz zeigen.» 

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