«Manchmal landen wahre Schätze bei uns»

In der Bücherbrocki in der Güterstrasse nahe des SBB warten fast 100’000 Bücher auf neue Besitzer*innen. Seit 25 Jahren zieht der versteckte Ort im Gundeli Bücherfans an – vor allem auch junge Menschen.

Bücherbrocki
Die Bücherbrocki im Hinterhaus an der Güterstrasse 137. (Bild: Valerie Wendenburg)

Die Bücherbrocki ist ein sinnlicher Genuss für Buchliebhaber*innen: Bücher, wohin das Auge reicht, ausserdem liegt ein starker Papiergeruch im Raum. Wer die Bücherbrocki an der Güterstrasse im Hinterhaus eines Wohnblocks betritt, befindet sich in einem Schlaraffenland für Bücher. Zuerst einmal muss man sich orientieren, denn der Kulturschock von der recht befahrenen Durchgangsstrasse im Gundeli zur Halle voller Bücher ist gross. Ruhig ist es hier, fast besinnlich.

Bücherbrocki
Eine Ecke der grossen Bücherbrocki. (Bild: Valerie Wendenburg)

Und das, obwohl sehr viel in der Bücherbrocki läuft: Täglich werden mehr als tausend Bücher von Leuten gebracht, die entrümpeln, ihre Wohnung oder Häuser räumen und sich von Büchern trennen, die sie nicht mehr brauchen. In der Bücherbrocki finden Literatur, Kochbücher, Ratgeber, Kinderbücher und Bildbände ein temporäres neues Zuhause. Sortiert nach Rubriken, warten sie geduldig auf neue Kundschaft. Und die kommt zuhauf, wie die Mitarbeiterin Kathrin Hägler zu Bajour sagt.

Kathrin Hägler, Bücherbrocki
«Viele Jugendliche kommen zu uns, weil sie wieder richtige Bücher lesen möchten.»
Kathrin Hägler, Bücherbrocki

«Es kommen sehr viele Leute, das Publikum ist sehr divers. Besonders freut mich, dass immer mehr junge Menschen kommen, die Bücher kaufen», so Hägler. Lesen sei wieder sehr beliebt, so ihr Eindruck: «Viele Jugendliche kommen zu uns, weil sie wieder richtige Bücher lesen möchten», sagt sie. Und sie erzählt, dass sie vor allem körperliche Arbeit in der Brocki leistet. Denn sie räumt von morgens bis abends Bananen- und Umzugskisten voller Bücher aus, die sich im Büro stapeln.

Anschliessend sortiert sie die Ware in die Regale. Dabei hat sie eine kleine Leidenschaft entwickelt. So findet sie immer wieder Lesezeichen, Postkarten oder Post-its in den Büchern, die abgegeben werden. Die «Notizen», wie sie sie nennt, sammelt sie an einer Pinnwand, auf der besonders der Zettel «Mama du bist lieb» ins Auge sticht.

Bücherbrocki
Notizen aus gebrauchten Büchern. (Bild: Valerie Wendenburg)

Die Bücherbrocki ist ein privates Unternehmen, das es neben Basel auch in Aarau, Bern, Luzern und Zürich gibt. «Die Lage hier im Gundeli ist für uns ideal, da das Quartier sehr gut angebunden ist.» So kommen nicht nur Menschen aus der Nachbar*innenschaft, sondern auch Händler*innen aus der ganzen Schweiz auf der Suche nach wertvollen Büchern.

«Manchmal landen wahre Schätze bei uns», sagt Hägler. Aber die müsse man suchen und Zeit mitbringen. Kund*innen, die gewohnt sind, Autor*innen von A-Z geordnet vorzufinden, sind in der Bücherbrocki am falschen Ort. Stöbern ist angesagt – denn bei der Menge an Büchern besteht durchaus die Chance, immer wieder aufs Neue geeignete Bücher zu finden.

tracking pixel

Das könnte dich auch interessieren

Titelbild Martin Dean

Valerie Wendenburg am 07. Juli 2025

«Literatur braucht die Vielstimmigkeit»

Martin R. Dean kennt den Basler Literaturbetrieb seit mehreren Jahrzehnten, er spielte bereits vor 25 Jahren bei der Gründung des Literaturhauses Basel eine Rolle. Im Gespräch blickt er zurück auf seine eigene Geschichte und auf die Entwicklung der Basler Literaturszene.

Weiterlesen
Buch Sommer

Valerie Wendenburg am 04. Juli 2025

Zwischen die Zeilen tauchen

Lust auf Lektüre zum Wohlfühlen? Oder auf spannende, dramatische und satirische Bücher? Die Bajour-Buchclübli-Community gibt Tipps, welche Romane du für die Sommerzeit mit im Gepäck haben musst.

Weiterlesen
Literaturhaus_Cafe_Kafka

Valerie Wendenburg am 05. Juni 2025

Von Lesungen bis Hackfleisch braten

Das Literaturhaus Basel feiert heute 25-Jahr-Jubiläum: Grund genug, der Intendantin Katrin Eckert 25 Fragen zum erfolgreichsten Anlass, zum grössten Reinfall oder zum kuriosesten Moment auf der Bühne zu stellen.

Weiterlesen
Valerie Wendenburg

Nach dem Studium, freier Mitarbeit bei der Berliner Morgenpost und einem Radio-Volontariat hat es Valerie 2002 nach Basel gezogen. Sie schreibt seit fast 20 Jahren für das Jüdische Wochenmagazin tachles und hat zwischenzeitlich einen Abstecher in die Kommunikation zur Gemeinde Bottmingen und terre des hommes schweiz gemacht. Aus Liebe zum Journalismus ist sie voll in die Branche zurückgekehrt und seit September 2023 Redaktorin bei Bajour. Im Basel Briefing sorgt sie mit ihrem «Buchclübli mit Vali» dafür, dass der Community (und ihr selbst) der Lesestoff nicht ausgeht.

Kommentare