«Ich möchte ein Bundesrat fürs ganze Land sein»

Wenige Stunden nach seiner Wahl tritt der designierte Bundesrat Beat Jans in Bern vor die Medien. Diese wollen zum Teil auch Persönliches von ihm wissen.

Nach einer kurzen Ansprache dürfen die Journalist*innen im Medienzentrum ihre Fragen an den frisch gewählten Bundesrat Beat Jans stellen.

Beat Jans, wie haben Sie die wilde Kandidatur von Daniel Jositsch wahrgenommen?

Für mich war es keine Überraschung, ich wusste, dass er ein gutes Resultat machen würde, es war aber auch klar, dass er nicht gewinnen würde. Er ist ein wunderbarer Ständerat, spielt für das Land eine wichtige Rolle. Wir bleiben Freunde.

SP-Fraktionspräsidentin Samira Marti war nach dem ersten Wahlgang sichtlich sauer, sie sagte, das sei ein schlechter Start in die Legislatur. Sehen Sie das auch so?

Nein, es hat mich nicht überrascht. Solche Signale werden im ersten und zweiten Wahlgang ausgesendet, aber ich habe nicht an die Wahl von Jositsch geglaubt.

Sie haben im Wahlkampf gesagt, Sie kämen aus einfachen Verhältnissen, wie wollen Sie diese nun einbringen?

Ich möchte mich immer wieder in die Situation versetzen, wie ich aufgewachsen bin, mit wenig Geld. Ich werde versuchen, meine Werte in die Dossiers und die Gremien einzubringen.

«Ich möchte bleiben, wer ich bin»
Beat Jans, designierter Bundesrat

Wie möchten Sie sich von Alain Berset unterscheiden?

Ich habe viel Respekt dafür, wie Alain Berset das Land regiert hat, es ist unglaublich, wie viel wir ihm zu verdanken haben. Nun möchte ich mich aber nicht von ihm differenzieren, ich möchte bleiben, wer ich bin. Meine Werte dürften jenen von Berset sehr ähnlich sein.

Wie möchten Sie sich nun ins EU-Paket einbringen?

Möglicherweise verabschiedet der Bundesrat das Verhandlungsmandat noch, bevor ich dabei bin. Mir ist wichtig, dass die Frage des Lohnschutzes geklärt ist, ich möchte die Sozialpartner auf eine Lösung bringen.

Werden Sie das Departement von Berset, das Innendepartement (EDI), übernehmen?

Bis jetzt habe ich zu diesem Thema keine Gespräche geführt, das kommt jetzt in den nächsten Tagen. Ich bin bereit für alle Departemente, der Bundesrat wird entscheiden, welches Departement er mir geben wird.

Was würden Sie im EDI als erstes tun?

Egal, was ich tun werde, ich werde es gemeinsam mit den Interessenverbänden tun.

Haben Sie sich in die bevorstehenden Abstimmungsdossiers bereits eingelesen?

Während der Kampagne habe ich mich in die Dossiers vertieft eingelesen, habe Gespräche geführt. Aber ich weiss, was ich in den Weihnachtsferien tun werde (lacht).

«Meine Frau und ich haben uns gegenseitig immer bestärkt»
Beat Jans, designierter Bundesrat

Basel freut sich, nach 50 Jahren, wieder einen Bundesrat zu haben, was kann die Nordwestschweiz nun von Ihnen erwarten?

Ich möchte ein Bundesrat fürs ganze Land sein. Ich hoffe aber dazu beizutragen, dass die Vielfalt noch besser vertreten sein wird.

Sie haben in Ihrer Ansprache die wichtige Rolle Ihrer Frau betont, möchten Sie das etwas ausführen?

Wir haben uns immer gegenseitig bestärkt. Ich weiss nicht, wie das Leben eines Bundesrates sein wird, aber sie will mir nahe bleiben und das wäre gut für mich.

Werden Sie nach Bern ziehen?

Ich werde mir in Bern eine Wohnung suchen, mein Lebensmittelpunkt bleibt Basel.

Als Erster hat Ihnen Ihr Konkurrent Jon Pult gratuliert, was haben Sie ihm dabei ins Ohr geflüstert?

Pult ist ein mutiger Mensch, ich habe ihm für den fairen und herzlichen Wahlkampf gratuliert. Ich habe ihn dadurch zusätzlich schätzen gelernt. Und ihm gesagt, dass die Türen für ihn auch in Zukunft weit offen sein werden – nach diesem Assessment, das wir meiner Meinung nach beide bestanden haben.

Herzen
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