Michael Hug wird Statthalter

«Ich finde es spannend, das Parlament zu leiten»

Michael Hug ist als Statthalter gewählt und wird im kommenden Jahr höchstwahrscheinlich Grossratspräsident. Was er an dem Amt schätzt und ob er anschliessend wieder Parlamentarier sein möchte, verrät der LDP-Politiker im Interview.

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Der scheidende Grossratspräsident Balz Herter (r.) gratuliert Michael Hug zur Wahl. (Bild: Bajour/ Dominik Asche)

Michael Hug, letztes Jahr hat gezeigt, dass die Wahl zum Statthalter gar nicht nur eine Formsache ist, sondern eine Wahl bei der man auch nicht gewählt werden kann. Hat Sie das im Voraus heute gestresst?

Also gestresst wäre jetzt nicht ein grosses Wort, aber es ist sicher so: Eine geheime Wahl ist etwas Spezielles. Wenn man dann hier im Ratsaal sitzt und alle die Namen aufschreiben, dann weiss man nicht, ob man nun aufgeschrieben wird oder nicht. Da fragt man sich dann schon, was hat man im letzten Jahr alles gemacht. Ist man politisch vielleicht für einige zu extrem oder hat man sonst irgendwelche Themen, die nicht gefallen haben.

Sie sind jetzt neuer Statthalter, das ist das anwärtige Amt des Grossratspräsidenten. Neben Ihnen sitzt Gianna Hablützel-Bürki. Wie schauen Sie auf die Zusammenarbeit mit ihr hier vorne auf den Sitzen?

Ich habe jetzt schon die Erfahrung gemacht über das Ratsbüro, bei dem wir schon zusammen sind. Da haben wir schon ein paar Sitzungen gehabt und ich habe die Zusammenarbeit dort sehr gut empfunden. Und da bleibt einem eigentlich ein sehr positives Gefühl gegenüber. Sonst politisch hat sie jetzt als Statthalterin nicht viel sagen können. Sie ist mir dadurch noch nicht so bekannt und ich freue mich auch, sie noch besser kennenzulernen.

Die Wahl von Gianna Hablützel-Bürki hat in den Medien polarisiert. Sie hat ein laufendes Gerichtsverfahren, welches dieses Jahr ein Thema werden könnte. Sie müssten einspringen, wenn sich jetzt etwas radikal ändert. Schwang der Gedanke mit bei dieser Wahl?

Nicht akut. Aber es ist natürlich die Funktion als Statthalter anstatt dieser Person das Amt ausführen würde. Damit müsste man natürlich jederzeit rechnen. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass das passiert. Da so ein laufendes Verfahren besteht, ist schon länger bekannt. Und solange es noch keine rechtskräftige Verurteilung gibt, gilt ja auch die Unschuldsvermutung. Im Übrigens muss man auch schauen, wie nahe die Delikte an diesem wären. Es gibt keine gesetzliche Voraussetzung, dass man das Amt nicht mehr ausführen könnte, selbst wenn man verurteilt würde oder war. Von daher blicke ich dem jetzt noch relativ gelassen entgegen und sehe momentan nicht, dass es plötzlich enden könnte.

Wenn alles gut läuft, dann werden Sie nächstes Jahr Grossratspräsident. Was bedeutet das für Ihre politische Karriere?

Es ist immer schwierig, von einer politischen Karriere per se zu reden, weil ich glaube, eine politische Karriere kann man nicht so planen und sagen: Ich will unbedingt mal das Amt. Es ist meistens ein Ereignis, das auf dem Weg passiert, dass plötzlich da eine Tür aufgeht oder dort eine Möglichkeit besteht. Für mich ist das Amt an sich toll, weil ich es sehr spannend finde, das Parlament zu leiten. Das ist auch eine Ehre das machen zu dürfen. Daher konzentriere ich mich jetzt nach dem Statthalterjahr auf das Grossratspräsidium. Und was weiter passiert, das ist noch offen.

Schauen wir zwei Jahre voraus. Dann werden Sie dann wahrscheinlich da sitzen und einen neuen Statthalter zum Grossratspräsidenten küren. Gehen Sie dann zurück ins Parlament oder nicht?

Auf jeden Fall möchte ich dann wieder zurück in den normalen Ratsbetrieb. Ich bin ein sehr politischer Mensch und für mich ist es natürlich auch nicht ganz einfach, als Statthalter ist man politisch relativ neutral, und vor allem als Grossratspräsident komplett, indem man das Parlament nach aussen repräsentiert. Darum freue ich mich dann auch, danach wieder sachpolitische Themen mitzuführen, auch öffentlich.

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Portrait_DominikAsche_

Dominik Asche machte eine Lehre bei Radio X in Basel. Als Digital Produzent baute er in verschiedenen Unternehmen Social Media Accounts mit auf. Die Ausbildung zum Pressefotografen am MAZ brachten ihn zurück in den Journalismus. Als Multimedia Journalist zu Bajour.

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