Die Nationalrätin hat das Wort

Ein Naturpark fürs Baselbiet

Ein regionaler Naturpark erhält die hiesige Naturlandschaft, fördert die regionale Wirtschaft und sensibilisiert Jung und Alt für unser kulturelles Leben, findet die Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer.

Brenzikofer
Florence Brenzikofer sagt: Die Grenzen eines Naturparks seien zwar klar definiert, aber in der Landschaft nicht ersichtlich, weder als Zaun noch als Markierung. (Bild: zvg / Collage: Bajour)

Eine Projektgruppe, bestehend aus sechs Personen, hat vor rund zwei Jahren einen zweiten Anlauf für die Projektierung eines Regionalen Naturparks Baselbiet genommen. In der Schweiz existieren heute 20 Naturpärke, wir unterscheiden zwischen einem Nationalpark (1), Naturerlebnispärken (2) und eben den regionalen Naturpärken (17). Die Schweizer Pärke sind einzigartige Lebensräume und stärken die regionale Identität.

Der Begriff «Park» gibt dennoch immer wieder Anlass für Diskussionen. Ist ein Naturpark sowas wie der Nationalpark in Graubünden, also ein strenges Naturschutzgebiet ohne Platz für Menschen? Oder ist damit eine abgeschlossene Anlage gemeint mit Eintrittspreisen und Kassenhäuschen? Oder eher eine künstlich angelegte Fläche wie der Park im Grünen vor den Toren Basels? Werden die Bewohner*innen des Baselbiets somit automatisch Exponate des Parks? Natürlich nicht! Doch es braucht Klärung.

Florence Brenzikofer
Die Nationalrätin hat das Wort

Was haben unsere Vertreter*innen in Bern zu sagen? Im Wahljahr überlassen wir regelmässig unseren nationalen Politiker*innen den Platz. Heute Florence Brenzikofer. Sie ist Grünen-Nationalrätin und Präsidentin des Vereins «Erlebnisraum Tafeljura» und des neugegründeten Vereins «Naturpark Baselbiet». In Bundesbern setzt sich Brenzikofer unter anderem für nachhaltige Verkehrspolitik und einen Wandel in der Klimapolitik hin zu einer fossilfreien und unabhängigen Energieversorgung ein. Sie wohnt seit 23 Jahren in Oltingen, Baselland, und arbeite als Sekundarlehrerin an der Sekundarschule in Liestal.

Blickt man über die Grenze ins benachbarte Ausland oder weiter auf europäischem Boden, so wird bald klar, dass in den letzten 100 Jahren viele verschiedene regionale Naturparks entstanden sind: «Parc naturel régional des Grands Causses», «Regionaler Naturpark Lothringen» in Frankreich oder der «Naturpark Hohe Mark» in Deutschland sind nur drei zufällig gewählte Beispiele. Der Name «Regionaler Naturpark» ist also keine Erfindung vom Bundesamt für Umwelt (BAFU), geschweige denn von der Projektgruppe, sondern ganz einfach eine Bezeichnung, die schon vor Jahrzehnten in Europa Fuss gefasst hat. Er weist ländliche Regionen aus, die durch ihre hohen natürlichen Werte und durch ihre einzigartige Landschaft herausstechen – etwas, das es zu erhalten gilt.

Im Vergleich zum Nationalpark schreibt ein regionaler Naturpark keine neuen Gesetze vor, sondern er beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Ein regionaler Naturpark hat zum Ziel, die hiesige Kultur- und Naturlandschaft zu erhalten, die regionale Wirtschaft zu fördern und Jung und Alt mit Bildungs- und Forschungsprojekten für unser kulturelles Leben und für typische Traditionen zu sensibilisieren. Seine Grenzen sind zwar klar definiert, aber in der Landschaft nicht ersichtlich, weder als Zaun noch als Markierung. Ebenso sind seine Grenzen erweiterbar und auch die nicht im Bereich des Parks liegende Umgebung profitiert von ihm, so auch das urbane Gebiet.

«Im Vergleich zum Nationalpark schreibt ein regionaler Naturpark keine neuen Gesetze vor, sondern er beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.»
Florence Brenzikofer, Grünen-Nationalrätin

Der Naturpark schafft und unterstützt Möglichkeiten, wo lokale Produzent*innen ihre Produkte ohne Zwischenhandel direkt den Kund*innen anbieten können. Ganz im Sinne von kurzen Transportwegen und von nachhaltigem Handel. Die Wertschöpfung bleibt so in der Region. Das Spektrum der Produkte ist unbegrenzt: Das können landwirtschaftliche Produkte direkt ab Feld oder Baum sein oder es können Erzeugnisse des lokalen Gewerbes und Handwerks sein.

Neben Bund, Kanton und Dritte beteiligen sich auch die Gemeinden mit einem Fünfliber pro Einwohner*in an den Kosten. Aber die Gemeinden können um ein Vielfaches profitieren, beispielsweise weil es Fördertöpfe und Vernetzung für grosse gemeindeübergreifende Projekte gibt - die gerade im Zusammenhang mit dem Klimawandel und zunehmendem Wassermangel auf die ländlichen Gemeinden zukommen werden. Der Entscheid zur Errichtung eines Naturparks Baselbiet wird Ende 2024 an den Gemeindeversammlungen gefällt. Damit im 2025 ein Gesuch ans BAFU gestellt werden kann, braucht es eine zusammenhängende Fläche von mindestens 100 km2.

Als Präsidentin des Vereins weiss ich, dass uns wie in den vergangenen Jahren viel Überzeugungsarbeit und ehrenamtliches Engagement erwartet. Wir gehen Schritt für Schritt vorwärts und spüren bei jedem Anlass Motivation und den starken Wunsch, in unserer Region hochwertige Natur und Landschaft langfristig zu erhalten und damit verbunden einen Lebensraum zu haben, der auch für die kommenden Generationen sowohl hohe Lebensqualität als auch ein Auskommen bietet.

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