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Raus aus der Nische

«Wir wollen, dass unser Club wächst»

Der Rugby Club Basel hat als erster Verein der Schweiz eine zweite Frauenmannschaft gegründet. Wir haben drei der Spielerinnen getroffen. Sie sind stolz auf diese Errungenschaft und haben sich hohe Ziele gesetzt.

09/12/23, 12:00 AM

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Elizabeth Halliday im Einsatz.

Elizabeth Halliday im Einsatz. (Foto: zVg)

Scrum, Try, Fly Half – diese Begriffe sind in der Schweiz nur wenigen bekannt. Auf der Pruntrutermatte gehören sie zum Vokabular. Denn sie gehören zum Rugby, einer Sportart, die in der Schweiz (noch) Nische ist. Der Rugby Football Club Basel, der hier im Gundeli sein Clubhouse hat, ist daran, diese Nische zu vergrössern.

Dieses Jahr hat der Basler Rugby Club als erster Verein in der Schweiz ein zweites Frauenteam ins Leben gerufen. 30 Jahre nach der Gründung der «Birds» gibt es jetzt auch die «B’s». «Darauf sind wir stolz», sagt Elizabeth Halliday, «vor ein paar Jahren hatten wir nicht mal genug Spielerinnen, um 15 gegen 15 zu spielen.» Halliday ist 24 und seit sieben Jahren im Verein und gehört auch zum Aufgebot der Schweizer Nationalmannschaft.

Spielmodus

Im Frauen-Rugby gibt es zwei Ligen, beide sind national, denn viele Teams gibt es in der Schweiz nicht. In der NFLA, also der obersten Liga, spielen sieben Teams, in der NFLB sechs. Seit Neuem ist die Voraussetzung für die oberste Spielklasse, dass man immer 15 Spielerinnen aufbieten kann. Früher hat man sich angepasst und Variationen mit je zwölf oder sieben gespielt. So wird in der 2. Liga auch heute noch vorgegangen.

«Wir wollen, dass unser Club wächst», sagt Halliday, «wenn wir neue Spielerinnen direkt in die A-Liga schicken würden, und sie nur wenig zum Einsatz kämen, verlören wir sie wieder.» Mit einer zweiten Mannschaft biete man Interessierten einen «perfekten Einstieg in unseren Sport, den wir alle lieben».

«Das Ziel ist, dass neue Spielerinnen in der B-Liga Erfahrung sammeln», erklärt Sofie Keller. Sie hat die Entwicklung vom kleinen Siebner-Team zur vollen Mannschaft mitgemacht. Gemeinsam mit ihren drei Geschwistern hat sie mit dem Sport angefangen, nachdem sie bei ihrer Familie in Italien damit in Kontakt gekommen ist. «Ich wollte nicht nur zu Hause schlegeln», scherzt sie.

Im Scrum (auf Deutsch Gedränge) wird um den Ball gedrückt.

Im Scrum (auf Deutsch Gedränge) wird um den Ball gedrückt. (Foto: zVg)

Generell sei das Team sehr vielfältig, «es wird in verschiedenen Sprachen miteinander geredet», sagt Halliday, das Training sei aber auf Englisch, «da muss man auch mal etwas übersetzen». Ausser die rugby-spezifischen Ausdrücke, wie Try oder Scrum, denn in der Schweiz würde niemand mit deutschen Übersetzungen trainieren.

Die vielen Sprachen können aber auch verwirrend sein: «Ich habe am Anfang mit manchen Englisch geredet, bis ich herausgefunden habe, dass ich auch Schweizerdeutsch reden könnte», erinnert sich Keller.

Elizabeth Halliday, Sofie Keller und Rebekka Zwygart.

Elizabeth Halliday, Sofie Keller und Rebekka Zwygart. (Foto: Ernst Field)

Captain der «B’s» wird Rebekka Zwygart sein. Seit 2020 spielte sie bei den Birds, dort war sie aber oft Auswechselspielerin. «Ich denke es ist gut, wenn nicht nur neue Spielerinnen im Team sind, sondern auch jemand mit Erfahrung», sagt Zwygart, die auch Clubsekretärin ist. Sie werde aber sicherlich auch immer wieder im A-Team spielen, denn man helfe sich gegenseitig mit Spielerinnen aus.

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Die Nische in der Nische

Wie vergleicht sich denn der Frauensport mit den Männern? «Rugby ist sowieso ein Nischensport», findet Zwygart, «aber man merkt schon einen Unterschied.» So können Männermannschaften zumindest teilweise semi-professionell spielen, die Frauen bekommen kein Geld. Auch an der Zuschauer*innenzahl merke man, dass der Fokus auf den Männern ist, erzählt Elizabeth Halliday, aber das sei sich am verbessern, vor allem seit die Birds in der vorletzten Saison in die A-Liga aufgestiegen sind.

Dort belegten die Birds letzte Saison den letzten Platz. «Das Kompetitive ist, wir wollen besser werden», sagt Sofie Keller. Da hilft es natürlich, mit der 2. Mannschaft wachsen zu können und Spielpraxis zu gewinnen, weil man im gemeinsamen Training auch mehr ausprobieren kann», sagt Halliday. Denn das langfristige Ziel ist es, die Meisterschaft zu gewinnen.

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