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Mit wenig Geld an der Mäss

Damit die Herbstmäss kein Loch ins Portemonnaie reisst

Es ist Herbstmesse: verlockende Süssigkeiten, lustige Bahnen und trubelige Stimmung ziehen die Stadt in den Bann. Finanziell kann die Herbstmesse aber eine grosse Herausforderung darstellen. Familien aus der Gärngschee-Community berichten, wie sie damit umgehen.

11/01/23, 01:00 AM

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Die Herbstmesse kann für Familien finanziell eine Herausforderung darstellen.

Die Herbstmesse kann für Familien finanziell eine Herausforderung darstellen. (Foto: Ernst Field)

Die Herbstmesse ist teuer. Viele Familien müssen genau aufs Geld schauen. Die Gärngschee-Community hat ein paar Tipps und Tricks, wie man mit kleinem Budget an die Herbstmesse gehen kann.  

Sandra schlägt vor, immer etwas zu essen, bevor man an die Herbstmesse geht. Dann hat man «ein Bödeli» und braucht nur noch für den «Glust» an der Herbstmesse etwas zu Essen zu kaufen. Ähnlich macht es auch Rita. Sie nimmt die Getränke von zu Hause mit und spart damit allein schon zwanzig Franken. Trinkflaschen könne man auch am Brunnen auffüllen, meint Petra.

Wie weit kommt eine Familie mit 100 Franken?

Wie weit kommt eine Familie mit 100 Franken?

Bajour hat eine Übersicht erstellt, was sich eine vierköpfige Familie mit einem Budget von 100 Franken bei einem Herbstmessebesuch leisten kann.

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Wichtig ist für die Menschen in der Gärngschee-Gruppe auch, sich vor Augen zu führen, was man gerne haben möchte. So ist zum Beispiel Lidia klar: «Meine Kinder wollen Zuckerwatte, ich Magenbrot und mein Mann gebrannte Mandeln und sein Rosekiechli.» Dann könnten die Kinder noch auf ein paar Bahnen gehen, «mehr geht nicht».

Claudia macht ihren Kindern die finanziellen Limiten des Herbstmessebesuchs klar: «Wir bezahlen Mahlzeit und etwas Süsses.» Die Bahnen müssen ihre Kinder vom eigenen Taschengeld bezahlen. «Sie nehmen bewusst eine bestimmte Summe vom Taschengeld mit, die sie nicht überschreiten wollen», so Claudia.

«Meine Kinder wollen Zuckerwatte, ich Magenbrot, mein Mann gebrannte Mandeln und sein Rosekiechli.»

Lidia

Susanne ist froh, dass sie nicht so bahnenbegeistert ist. So stelle sich die finanzielle Frage nicht so sehr, aber: «eine Schokobanane muss es schon geben», schreibt sie.

Verschiedene Familien nennen die Anzahl der Bahnen, die ihre Kinder besuchen können. Petras Kinder dürfen sich zum Beispiel je drei Bahnen aussuchen. Und auf die Bahn, die Petra aussucht, dürfen sie zusätzlich mit, wenn sie möchten. «Bei vier Kindern muss man haushalten», schreibt sie.

Andere Familien haben die Strategie, sich das Jahr über regelmässig etwas für die Herbstmesse auf die Seite zu legen. So sammelt zum Beispiel Hedwig «das ganze Jahr über konsequent alle 20-Räppler», dann komme schon einiges zusammen, das dann entweder für die Herbstmesse oder für ein Wochenende im Europapark verwendet wird. Auch Sandra sammelt das Jahr über Zweifränkler für die Herbstmesse. «Damit kommen wir recht gut durch bei drei Kindern.»

«Bei vier Kindern muss man haushalten.»

Petra

Als die Kinder von Carl noch jünger waren, seien die Ausgaben an der Messe in «astronomische Höhen» gestiegen. Deswegen erhalten sie nun einen Mässbatzen. Die 100 Franken, die sie je zu Messebeginn erhalten, müssen sie selbst verwalten. «Mit diesem Vorgehen habe ich mein Mässbudget mehr als halbiert», meint Carl. Seine Kinder hätten dann sogar angefangen, das Geld für andere Dinge aufzusparen.

Einen Mässbatzen gab es auch für Katharinas Töchter, während ihre jüngste Tochter sich von Gotte und Götti an die Herbstmesse einladen liess. Auch Ritas Kinder erhalten von den Grosseltern einen Mässbatzen.

«Ich habe dann die Augen geschlossen und mich daran erinnert, als ich mir die Mäss noch leisten konnte.»

Gina

Manchmal reicht es aber auch nicht, um etwas zu kaufen. Dann schlendern Mitglieder der Gärngschee-Community über die Messe und geniessen einfach die Gerüche und die Stimmung. «Ich habe dann die Augen geschlossen und mich daran erinnert, als ich mir die Mäss noch leisten konnte», schreibt Gina.

Auch Tanja schreibt: «Da ich ein sehr kleines Budget habe, werde ich es einfach geniessen, durch die Stände zu laufen, Gerüche aufzunehmen und dem Treiben zuzuschauen.» Auch Lidia esse «oft mit den Augen», weil es für mehr nicht reiche.

Für Svitlana ist aber auch das schwierig. Wenn sie mit ihren Kindern an die Herbstmesse geht, ohne etwas kaufen zu können, sind sie sehr enttäuscht. Deswegen habe sie dieses Jahr versucht, ihnen gar nichts von der Herbstmesse zu erzählen. Das habe aber nicht funktioniert, weil die Kinder in der Schule von der Herbstmesse erfahren hätten.

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