Unispital in Kritik: FFP2-Masken für das Personal sind nur die Ausnahme

Das Personal des Unispital Basel trägt nur teilweise FFP2-Maske, obwohl sie erwiesenermassen besser schützt. Fahrlässig findet das der Anwalt Martin Steiger.

Battegay Steiger
Jurist Martin Steiger (rechts) kritisiert das Unispital und den Chefarzt für Infektiologie, Mauel Battegay (links), weil am Unispital nicht überall auf FFP2-Masken gesetzt wird. (Quelle: Kostas Maros / Katja Müller, Illustration: Bajour)

FFP2-Masken schützen besser vor einer Ansteckung mit Covid als chirurgische Masken. Eigentlich keine Neuigkeit, aber nun haben wir es auch schwarz auf weiss: Forscher*innen haben eine Studie zur Wirksamkeit von FFP2-Masken durchgeführt und dabei festgestellt, dass die medizinischen Masken neben den festsitzenden, dichteren FFP2-Masken alt aussehen. 

Wer eine gut sitzenden FFP2-Maske trägt, ist einem maximalen Ansteckungsrisiko von nur noch etwa einer Promille ausgesetzt – sogar dann noch, wenn über mehrere Minuten geringer Abstand herrscht. Bei Hygnienemasken liegt das Risiko, bei den gleichen Bedingungen, hingegen immer noch bei 10 Prozent. 

Während man in Deutschland in vielen Bundesländern im öffentlichen Verkehr längst auf FFP2-Masken setzt, gibt es in der Schweiz keine klare Devise.

«Das Spitalpersonal sollte sich und andere durch das Tragen von FFP2-Masken jederzeit wirksam schützen können.»

Martin Steiger, Anwalt und Unternehmer für Recht im digitalen Raum

Im Unispital Basel dagegen sind diese Masken nur die Ausnahme. Genauer: Das Personal trägt sie nur bei so genannten «aerosol-produzierenden Massnahmen». In allen anderen Fällen müssen es normale Hygienemasken tun. 

Das hat Martin Steiger, Anwalt und Unternehmer für Recht im digitalen Raum festgestellt. Eher zufällig stolperte er kürzlich im Epidemie Handbuch des Unispital Basel auf einen entsprechenden Paragraphen. 

Steiger stutzte. Für ihn sei es unerklärlich, weshalb das Spitalpersonal einer «unnötigen Infektionsgefahr ausgesetzt wird», hielt er auf seinem Blog fest. «Das Spitalpersonal sollte sich und andere durch das Tragen von FFP2-Masken jederzeit wirksam schützen können», ist Steiger überzeugt. 

«Herr Steiger ist Jurist und kein Arzt, geschweige denn Experte für Infektionskrankheiten.»

Nicolas Drechsler, Mediensprecher Unispital Basel

Seine Kritik geht an die Adresse des Basler Infektiologen und Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, Prof. Dr. Manuel Battegay. Battegay würde sein Personal zu wenig schützen.

Diese Behauptung findet Nicolas Drechsler, Mediensprecher des Unispitals Basel, «teils dreist und teils falsch». 

Das Unispital setze alles daran, ihre Mitarbeiter*innen bestmöglich zu schützen. «Das Wichtigste für uns ist, das Personal gesund zu halten. Wir würden uns sonst selbst ins Bein schiessen», so Drechsler.

Tatsächlich ist es so, dass das Unipersonal nur zum Teil FFP2-Maske trägt. «Und zwar überall dort, wo direkter Kontakt zu infektiösen Patienten herrscht und das Expositionsrisiko hoch ist», sagt Drechsler.

Auf anderen Abteilungen und Stationen reiche es, Hygienemaske zu tragen. «Ich glaube, was manche vergessen, ist, dass wir uns im Spital bereits vor der Pandemie mit dem Thema Hygiene auseinandergesetzt haben», meint Drechsler. Mit dem Infektiologen Manuel Battegay hätten sie ausserdem einen Experten, der sich schon seit vierzig Jahren mit dem Themenbereich auseinandersetzt.

«Herr Steiger ist Jurist und kein Arzt, geschweige denn Experte für Infektionskrankheiten», sagt Drechsler.

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Die Frage bleibt jedoch: Weshalb erhöht man den Schutz im Spital nicht, um Mitarbeiter*innen und Patient*innen noch besser vor dem Virus abzuschirmen? Geht es ums Geld? FFP2-Masken sind nämlich deutlich teurer als die gewöhnlichen Hygienemasken. 

«Nein, es ist keine Kostenfrage», sagt Drechsler. Vielmehr sei es eine Frage der Zumutbarkeit: «Mitarbeiter, die acht Stunden am Tag FFP2 tragen, sprechen scherzhaft von einer Tätowierung.» Der tiefe Abdruck der Maske, die sich ins Gesicht gräbt, wenn man sie richtig anzieht. 

Drechsler räumt ein, dass korrekt getragene FFP2-Masken einen statistischen Mehrschutz bieten. Wenn jedoch Hygienemasken ausreichend seien, gäbe es keinen Grund, den Komfort als Argument über Bord zu werfen.

«Wir haben im Spital eine verschwindend kleine Ansteckungszahl. Die Chance, sich bei uns anzustecken, ist klein. Auch mit den aktuellen Schutzvorkehrungen, die wir laufend überprüfen und anpassen», sagt Drechsler.

Jurist Martin Steiger findet nicht, dass er sich als Nicht-Mediziner mit seinen Überlegungen zurückhalten muss. Er entgegnet: «Ich bin informierter Laie und keine Fachperson. Mit Blick auf aktuelle Studien und im internationalen Vergleich bin ich aber überzeugt, dass das Unispital Basel mit seiner Strategie nicht auf der Höhe der Zeit ist.» Mit FFP2-Masken für alle würden weniger Ansteckungen am Unispital Basel erfolgen, ist sich Steiger sicher.

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