Cityring

Mehr Platz für Bus und Velo – ergo mehr Ausweichverkehr?

Zwischen Spalentor und Spitalstrasse sollen Autos eine Fahrspur verlieren. Studien zeigen, dass die negativen Folgen oft geringer ausfallen als befürchtet.

Cityring
Am Cityring sollen Busse und Velos künftig mehr Platz bekommen. (Bild: Shahed Staub)

Auf den Punkt:

  • Der ACS wehrt sich gegen die Pläne am Cityring und befürchtet mehr Stau und Ausweichverkehr.

  • Studien zeigen jedoch, dass der Autoverkehr bei Strassenrückbau meist abnimmt.
  • Auf der Strecke gab es in den letzten 15 Jahren 14 schwere Velounfälle.

Das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) will mehr Sicherheit auf dem Cityring und einen 30er-Bus, der nicht ständig im Stau stecken bleibt. Die am Mittwoch publizierte Massnahme geht auf einen Vorstoss «bessere Velosicherheit von der Johanniterbrücke bis zum Bahnhof SBB» zurück.

Der Widerstand gegen die Baupläne am Cityring liessen jedoch nicht lange auf sich warten. Der ACS beider Basel lehnt die Spurreduktion klar ab und hat Rekurs angekündigt. Für den Automobilclub ist unverständlich, dass eine bereits heute stark belastete Hauptachse zusätzlich eingeschränkt wird. ACS-Geschäftsführer Daniel Seiler kritisiert zudem das Vorgehen grundsätzlich: «Es fehlt an einer klaren und durchdachten Planung.»

Ausweichverkehr nur minimal

Seiler befürchtet mehr Stau, Ausweichverkehr in die Quartiere und eine schlechtere Erreichbarkeit der Stadt. Wenn Kapazitäten reduziert würden, suche sich der Verkehr andere Wege, so Seiler. Ähnlich argumentiert Marvin Laissue, Vorstandsmitglied der LDP-Basel-Stadt: Wer eine wichtige Verkehrsachse verknappe, produziere «unweigerlich noch mehr Stau». Das Problem werde lediglich in die Wohnquartiere verlagert.

Eine andere Perspektive bringt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein. Sie hat in einer grossen Studie über 100 Fälle von Strassenrückbau untersucht. Dabei zeigte sich, dass der Verkehr im Durchschnitt um rund 22 Prozent abnimmt. In einzelnen Fällen kam es zwar zu mehr Ausweichverkehr – das traf aber nur auf etwa 11 von 63 untersuchten Strassen zu. Ein grosser Teil des Verkehrs verschwindet, weil Menschen ihr Verhalten anpassen und beispielsweise auf ÖV oder Velo umsteigen. Insgesamt sind gemäss Studie die negativen Folgen meist deutlich kleiner als befürchtet.

Cityring
Das Fahrrad soll vom Autoverkehr entflochten werden. (Bild: Shahed Staub)

Auch in Barcelona wurde im Rahmen der Studie zu «Traffic Evaporation» untersucht, wie sich Verkehr verhält, wenn der für Autos verfügbare Strassenraum reduziert wird – also beispielsweise durch den Wegfall von Fahrspuren zugunsten neuer Bus‑ oder Velostreifen. Auf elf umgestalteten Strassen im Eixample‑Bezirk ging der Verkehr im Durchschnitt um rund 14,8 Prozent zurück. Auf angrenzenden Nebenstrassen stieg der Verkehr nur minimal (+ 0,7 Prozent), auf weiteren Strassen blieb er unverändert.

Im Schnitt eine schwerverletzte Person pro Jahr

Deswegen gibt es auf der anderen Seite auch breite Unterstützung für die Pläne am Cityring. Grossrätin Anina Ineichen (Grüne) spricht von einer «grossen Chance». Der Bus stehe auf dieser Strecke regelmässig im Stau, und Velofahrende seien teils unsicher unterwegs. Auch SP-Grossrätin Lisa Mathys nennt die Massnahme «logisch» und längst überfällig: Bus und Velo würden effizienter und sicherer, was in einer dicht bebauten Stadt besonders wichtig sei.

Der Archäologe David Brönnimann, der die Strecke regelmässig mit dem Velo fährt, begrüsst die Pläne ebenfalls, wie er bei der Frage des Tages schreibt. Für ihn ist es eine Abwägung: «Etwas weniger Stauminuten oder mehr Sicherheit?» Ein Blick auf die Strassenunfall-Karte von Basel zeige zudem: Allein in den letzten 15 Jahren gab es 14 Unfälle mit Beteiligung von Fahrrädern mit Schwerverletzten und einer mit Todesfolge zwischen Johanniterbrücke und Spalentor.

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