Aus meiner Sicht

Die QR-Bussen sind für die Katz

Wer in Basel falsch parkt, bekommt bekanntlich eine QR-Busse unter den Scheibenwischer geklemmt. Wir haben versucht sie zu bezahlen – und sind gescheitert.

Katze hinterm Steuer
Beim Nichtbezahlen der QR-Busse passiert nichts: Keine Mahnung, kein Eintrag, nichts. Quelle: PD

Die moderne, digitale Welt. Ja, sie macht vieles einfacher, das ist zweifellos. Aber der Online-Bussenschalter der Basler Polizei treibt selbst die gewieftesten Digital Natives zur Weissglut. Und lässt sie ratlos zurück.

Die QR-Strafzettel wurden Ende 2017 eingeführt. Wohl zur grossen Freude der Verkehrspolizist*innen, denn diese können Bussen seither direkt mit dem Handy erfassen. Wenige Sekunden später sind die Daten im System und müssen nicht mehr manuell eingelesen werden. Es bleibt mehr Zeit für anderes. 

Doch wie sagt man so schön? Des einen Freud ist des anderen Leid. 

Odyssee durch die Tiefen des WWW

So kenne ich jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der am 3. August um 10 Uhr 17 in Basel an der Brombacherstrasse 2 das Vorschriftensignal «Einfahrt verboten» übersehen und sich mit seinem Auto entgegen der Fahrtrichtung auf einen Parkplatz gestellt hat. Es dauerte nicht lange und unter dem Scheibenwischer klemmte die entsprechende Ordnungsbusse. 

So schnell die Daten durch die Verkehrspolizist*innen eingelesen sein mögen, so anstrengend ist der Versuch durch die Verkehrsteilnehmer*in, die Strafe online zu bezahlen. Es folgt eine Odyssee durch die Tiefen des World Wide Web.

Der QR-Code führt die Rechtsbrecher*in auf die Website der Polizei, an den besagten Online-Bussen-Schalter. Da soll das Fahrzeug-Kennzeichen eingegeben werden. Hier wirkt alles etwas verstaubt und umständlich. Kein Wunder: «Die aktuelle Version ist für die mobile Ansicht noch nicht optimiert», bestätigt die Medienstelle der Basler Polizei auf Anfrage von Bajour. Ein entsprechendes Update sei indes geplant.

Es geht weiter zur Busse: 100 Franken Strafe kostet das Vergehen. Als wäre das nicht Ärger genug, folgt nach dem Klick auf «Online bezahlen» auch gleich die ernüchternde Mitteilung: «Dieses Formular benötigt JavaScript. Bitte aktivieren Sie JavaScript.» 

Hilfe! War nun alles umsonst? 

Die Nerven liegen blank. Auf dem Smartphone finden sich weit und breit keine Angaben, wie die Busse alternativ bezahlt werden könnte. Dennoch versichert die Mediensprecherin: «Zahlungen sollten problemlos mit Kreditkarte möglich sein.» 

Sind sie in diesem Fall aber nicht. Die Polizei will von den besagten Schwierigkeiten nichts wissen: «Erfahrungsgemäss erhält die Verkehrspolizei rasch entsprechende Hinweise, wenn Online-Zahlungen nicht möglich sind. Momentan liegen keine Störungsmeldungen vor.» 

Von wegen «Unkompliziert. Transparent. Und rasch.»

Die QR-Busse wird also feinsäuberlich in eine Schublade versorgt, aus den Augen, aus dem Sinn. Es gilt abzuwarten.

Glücklicherweise stellt sich heraus: Es spielt keine Rolle, ob die QR-Busse bezahlt wird, oder eben nicht. Denn beim Nichtbezahlen passiert ohnehin nichts. Keine Mahnung, kein Eintrag, nichts. Es wird einem lediglich eine Übertretungsanzeige direkt nach Hause geschickt. Und die Verkehrsteilnehmer*in kann die Busse wie gewohnt per E-Banking einbezahlen.

Das Fazit der Geschicht: Der Online-Bussenschalter ist für die Katz. Und vom Versprechen «Unkompliziert. Transparent. Und rasch.», wie es auf dem Flyer «Willkommen beim Online-Bussenschalter» heisst, bleibt nichts übrig – ausser eine grosse Portion Verwirrung.

Da wundert es einen doch, dass andere Kantone den Basler*innen, die schweizweit offenbar die ersten waren, die die Welt der Strafzettel digitalisierten, nun auch noch nacheifern und ein ähnliches System einführen wollen. 

Immerhin nimmt die Basler Polizei «Feedbacks und Verbesserungsvorschläge aus der Bevölkerung gerne entgegen».

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Valerie Zaslawski

Das ist Valerie (sie/ihr):

Nach einem ersten journalistischen Praktikum bei Onlinereports hat Valerie verschiedene Stationen bei der Neuen Zürcher Zeitung durchlaufen, zuletzt als Redaktorin im Bundeshaus in Bern. Es folgten drei Jahre der Selbständigkeit in Berlin, bevor es Valerie zurück nach Basel und direkt zu Bajour zog, wo sie nun im Politikressort tätig ist.

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