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Jung & grün

Sind die Grünen die besseren Jusos?

Das Grüne Bündnis hat am Wahlsonntag gezeigt: Das Thema Klimaschutz zieht. Vor allem das Junge Grüne Bündnis ist auf dem Vormarsch. Hängt es die Juso ab als Partei der jungen Generation?

10/28/20, 04:08 AM

Aktualisiert 10/28/20, 09:21 AM

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Nino Russano (Juso), Raffaela Hanauer und Laurin Hoppler (Junges Grünes Bündnis).

Nino Russano (Juso), Raffaela Hanauer und Laurin Hoppler (Junges Grünes Bündnis). (Foto: Juri Weiss; zvg / Illustration: Bajour)

Die Grünen gewinnen vier Sitze – die SP verliert ebenso viele. Und auch bei den Jungparteien gilt: Die jungen Grünen lassen die jungen Roten alt aussehen. Einer der neuen Grünen Sitze geht nämlich an den 19-jährigen Klimaaktivisten Laurin Hoppler. Damit sind mittlerweile drei junge Grüne im Parlament: Jo Vergeat und Raffaela Hanauer sind beide während der Legislatur nachgerückt und wurden jetzt wiedergewählt. Und bei den Nachrückenden stehen Fina Girard oder Anouk Feurer, beide 19 Jahre alt, bereit.

Es scheint fast: Das Junge Grüne Bündnis läuft der JUSO den Rang ab, als die Partei, die am lautesten und stärksten für die Anliegen der jungen Generation einsteht. Zwar wurden auch Jessica Brandenburger und Beda Baumgartner wiedergewählt, beide kann man auch noch ein bisschen zur jungen Garde zählen, auch wenn sie inzwischen im SP-Establishment angekommen sind. Aber von den JUSO hat es niemand neu in den Grossen Rat geschafft. 

Woran liegt das? 

«Wir hatten die stärkste und meistgesehene Kampagne aller Jungparteien.»

Raffaela Hanauer, Junge Grüne

An der Klimabewegung, natürlich, heisst es von Seite der Jungen Grünen. So sagt der frisch gewählte Laurin Hoppler: «Mein Engagement für den Klimastreik war sicher ein Vorteil für meine Kandidatur.» 

Seit Dezember 2018 und zuletzt am 24. Oktober, ein Tag vor den Wahlen, zog die Klimabewegung Basel regelmässig auf die Strasse, um für den Klimaschutz einzustehen.

Das Junge Grüne Bündnis wusste diesen Drive zu nutzen, sagt Raffaela Hanauer: «Viele unserer Kandidierenden sind nicht nur unheimlich jung, sondern schlagen als Klimaaktivist*innen die Brücke zu der Politik, die gerade auf der Strasse geschieht. Sie vermitteln die Dringlichkeit, machen sich Sorgen und erkämpfen sich das Recht, über ihre eigene Zukunft zu bestimmen.» 

Mit der Kampagne #KlimaBoss versuchte das Junge Grüne Bündnis sein Anliegen für den Klimaschutz spielerisch zu vermitteln. «Ich würde sogar sagen, wir hatten die stärkste und meistgesehene Kampagne aller Jungparteien», sagt Raffaela Hanauer.

«Wir sind genauso grün, aber thematisch viel breiter aufgestellt.»

Nino Russano, Präsident JUSO Basel-Stadt

Das will die Juso nicht auf sich sitzen lassen. Nino Russano, Präsident der JUSO Basel-Stadt, sagt: «Auch wir waren viel auf der Strasse präsent und sind an Schulen gegangen, um mit den Jungen zu reden.»

Die SP-Sitzverluste beschäftigten ihn. Für die JUSO sei es wichtig, sich zu überlegen, wo sie ihre Chance verpasst haben. Russano gibt sich selbstkritisch – es sei vereinfacht zu sagen, die SP und JUSO hätten ihre Stimmen an die Grünen verloren, weil Klima zurzeit ein Trendthema sei. «Wir sind genauso grün, aber thematisch viel breiter aufgestellt», sagt er. 

Offenbar sei das den Wähler*innen aber zu wenig bewusst: «Wir haben es anscheinend nicht genug geschafft, die Jungen mit unseren Themen wie beispielsweise dem Erhalt von Freiräumen, Chancengleichheit in der Bildung und einer sozialen Klimapolitik abzuholen.» 

Für Russano gehe es nun darum, herauszufinden, wie junge Wähler*innen, die grün sind, wieder zurück zur JUSO geholt werden können: «Die Frage ist: Wie können wir dort den Anschluss nicht verlieren? Wie können wir unsere Inhalte besser an junge Leute vermitteln?»

«Ich brauche noch etwas Zeit, mich in die verschiedenen Dossiers einzuarbeiten»

Laurin Hoppler, neu Grossrat des Grünen Bündnisses

Für die jungen Grünen im Grossen Rat heisst es derweil: liefern. 

«Wir haben Inhalte und können auch ernst», sagt Laurin Hoppler. Er sieht sich als Vermittler zwischen Parlament und Klimabewegung: «Es ist ein Prozess, der bei mir gerade passiert. Aber es ist mir wichtig, die Anliegen der Klimaaktivist*innen abzuholen. Deshalb werde ich in den kommenden Wochen sicher noch ein paar Mal mit ihnen zusammensitzen», sagt er. 

Und wie sehen diese Inhalte aus? 

Hoppler macht keinen Hehl daraus, dass er zwar jung, aber noch unerfahren ist: «Ich brauche noch etwas Zeit, um mich zurecht zu finden und in die verschiedenen Dossiers einzuarbeiten. Ich habe noch keine konkreten Vorstösse geplant.  Aber ich weiss, dass ich mich in der Verkehrspolitik einbringen und für die Weiterentwicklung von nachhaltigem Wohnen einsetzen will.»

Für Raffaela Hanauer ist das gute Wahlresultat des Jungen Grünen Bündnis’ kein Grund, euphorisch zu werden. In ihren Augen nimmt das Basler Parlament den Klimaschutz noch zu wenig ernst. Dass sich das ändert, daran wolle sie arbeiten. 

«Das Wahlresultat freut uns zwar sehr, aber wir sind auch enttäuscht, weil wir auf eine linke Mehrheit gehofft haben. Noch sind wir nämlich weit davon entfernt, das umzusetzen, was für das Klima notwendig wäre.» 

Dafür seien sie immer noch zu wenige, die den CO2-Ausstieg vorantreiben würden. Kommt hinzu, dass die Grüne Elisabeth Ackermann bei den Regierungsratswahlen desaströs abgeschnitten hat. Im zweiten Wahlgang tritt sie nicht mehr an. Hanauer sagt dazu: «Wenn wir im 2. Wahlgang noch die Regierungsmehrheit verlieren, können wir es vergessen, dass wir in Sachen Klima in den nächsten vier Jahren schnell vorwärts kommen.»