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Ukraine

Basler Gastfamilien sind gut vorbereitet

Über 400 Haushalte haben sich schon bei der GGG Benevol als Gastgeber*innen für geflüchtete Ukrainer*innen gemeldet. Erste Erfahrungswerte von Seiten der Organisation zeigen, wie gut das Zusammenleben bisher funktioniert.

03/29/22, 02:19 AM

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Eine Familie aus der Ukraine beim Fruehstueck, aufgenommen am Dienstag, 22. Maerz 2022, im ehemaligen Altersheim Rosenau, in Kirchberg. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Ein bisschen Alltag: Eine Familie aus der Ukraine beim Frühstück in Kirchberg (SG). (Foto: KEYSTONE / Gian Ehrenzeller)

Wer in der Studienzeit während Jahren in WGs gelebt hat, weiss: Eine Wohnung mit Menschen zu teilen, die man noch nicht kennt, ist nicht immer einfach. Bei Gastfamilien für Geflüchtete aus der Ukraine ist das nicht anders. Gründe sind zum Beispiel die Sprachbarriere oder falsche Erwartungen, wie die BaZ mit Blick auf das Baselbiet berichtet. 

Konflikte sind normal – und selten

In Basel-Stadt ist die Situation entspannter. «Es kommt überall vor, dass es Konflikte gibt, aber es sind ganz, ganz wenige», sagt Ursula Baum, Geschäftsleiterin von GGG Benevol. Die Organisation bringt im Stadtkanton Geflüchtete und Gastfamilien zusammen. «Das ist sehr schön und oft extrem berührend, wie die Menschen Geflüchteten Platz machen und wie freundlich diese von den Gastgebenden empfangen werden», berichtet Baum.

«Es gibt deutlich weniger Probleme, als man aktuell aus den Medien den Eindruck haben könnte», sagt GGG Benevol-Geschäftsleiterin Ursula Baum.

«Es gibt deutlich weniger Probleme, als man aktuell aus den Medien den Eindruck haben könnte», sagt GGG Benevol-Geschäftsleiterin Ursula Baum. (Foto: zvg)

Es gebe andererseits aber viele Geflüchtete, die spontan bei jemandem untergekommen seien – also nicht zuerst mit GGG Benevol in Kontakt standen. «Auch da melden sich die Leute langsam bei uns», so die Geschäftsleiterin. In diesen Fällen beurteilt das GGG Benevol-Team die Situation vor Ort und fragt beide Seiten, ob es für sie passt. «Hier kann es vorkommen, dass zum Beispiel zu viele Menschen in einer Wohnung leben und es auf längere Zeit dann schwierig wird», erklärt sie. Es werde dann gemeinsam nach einer entlastenden Lösung für alle Beteiligten gesucht.

Reflektiert, hilfsbereit und offen

«Ganz grundsätzlich muss ich sagen: Die Basler*innen sind gut vorbereitet», sagt Baum. «Ich habe den Eindruck, dass der grösste Teil unserer Gastgebenden sehr reflektiert, hilfsbereit und offen ist.» Baum stellt fest, dass die Gastgeber*innen nicht viel von den Geflüchteten erwarten und sich zum Beispiel darauf einstellen, «dass die Menschen aus einem Krisengebiet sich vielleicht zuerst einmal ein bisschen zurückziehen möchten».

Sie findet, das Thema werde gerade zu sehr aufgeblasen. «Dass die Chemie mal nicht stimmt, gibt’s schon. Oder dass zum Beispiel jemand raucht und das für die andere Person doch nicht so passt. Aber es gibt deutlich weniger Probleme, als man aktuell aus den Medien den Eindruck haben könnte.» 

«No news are good news»

Wer seinen Wohnraum für Geflüchtete öffnen möchte und sich bei GGG Benevol meldet, muss einige Voraussetzungen erfüllen. Zu den Rahmenbedingungen gehört etwa, dass die Unterkunft für mindestens 3 bis 6 Monate angeboten werden kann, aber auch, dass man den Geflüchteten als erste Ansprechperson bei Fragen zur Verfügung steht.

Baum erklärt, was sonst noch wichtig ist: «Man muss sich wirklich überlegen, was man bereit ist zu machen und wie lange man wirklich den eigenen Wohnraum teilen möchte und zusammenleben kann.» Was das genau heisst, merke man zwar erst, wenn es so weit ist. Aber die Grundhaltung muss stimmen: «Uns ist es wichtig, dass Gastfamilien das Gefühl haben, ihr Angebot stimmt und dass Ukrainer*innen den Eindruck haben, sie sind willkommen.»

Sei das nicht (mehr) der Fall, zählt Baum darauf, dass sich die Leute bei GGG Benevol melden. «Aktuell versuchen wir, so viel wie möglich zu vermitteln und gehen dann vom Grundsatz aus: ‹No news are good news.›» Das heisst, so lange sich niemand meldet, sei «vermutlich alles in Ordnung». Etwas anderes sei mit der aktuell hohen Arbeitsbelastung auch nicht leistbar. «Aber wir bitten alle Beteiligten, die Verantwortung zu übernehmen und sich bei uns zu melden, sollten Schwierigkeiten auftauchen.»

Gut vorbereitet

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