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Nothilfe

Ukrainer*innen haben kein Geld für Essen

Vielen Geflüchteten fehlt das Geld für Essen. Dem Swiss Mega Park gingen mittlerweile die Lebensmittel aus. Andere Organisationen können helfen.

03/30/22, 04:12 PM

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Elena (links) und Tochter Ana (rechts) decken sich mit Kleidern und Lebensmitteln ein.

Elena (links) und Tochter Ana (rechts) decken sich mit Kleidern und Lebensmitteln ein. (Foto: Alexander Vögeli)

Am Bahnhof, gleich zwischen Starbucks und Burgerking, ist die Basel School of Business. In einem kleinen Raum, vielleicht drei auf fünf Meter, steht ein Schränkli mit Äpfeln, Rüebli, Kartoffeln und Babynahrung. Zwei Frauen stürmen herein. Greifen sich eine Konserve, studieren das Etikett: Es sind eingelegte Kidneybohnen in Tomatensauce. Die Mutter und Tochter nehmen so viele Büchsen, bis sie nicht mehr tragen können. Dann entdeckt die Frau Plastiksäcke ums Eck, sie nimmt einen und füllt ihn.

Elena und Anna sind aus Tschernihiw geflüchtet, seit einer Woche sind sie in Basel. Sie leben bei einer Gastfamilie und bekommen dort auch Essen, aber Elena ist das nicht recht. «Wir wollen auch etwas beitragen.» Das Problem: Mutter und Tochter sind Hals über Kopf geflüchtet, sie haben kein Geld.

Ähnlich geht es Tatjana und ihren beiden Töchtern. Sie sind aus Charkiw geflüchtet. Tatjana hört von allen Seiten: «Don’t worry about the money.» Aber bisher habe sie noch kein Geld erhalten.

Das Problem: Beide Familien haben sich für den Schutzstatus registriert. Ab dem Zeitpunkt der Registrierung hätten sie Recht auf Sozialhilfe*, aber davon wissen beide Frauen nichts.

Nur noch wenige Lebensmittel übrig: Innerhalb von wenigen Stunden war alles vergriffen.

Nur noch wenige Lebensmittel übrig: Innerhalb von wenigen Stunden war alles vergriffen. (Foto: Alexander Vögeli)

Abgabe musste Ukrainer*innen wegschicken

Offenbar geht es vielen ukrainischen Familien so, wie mehrere Organisationen bestätigen.

Eine davon ist Alexandra Somlo, Geschäftsführerin des Swiss Mega Parks, der nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine innert Tagen in die grösste Hilfsaktion der Schweiz umfunktioniert wurde. Unter anderem organisierten sie auch eine Lebensmittelabgabe.

Doch während der letzten Tage musste Somlo Geflüchtete abweisen. «Es  kamen rund 100 Personen und brauchten Essen. Doch es reichte nur für 40. 60 Menschen musste ich wegschicken.» Deshalb hat Somlo die Lebensmittelabgabe mittlerweile geschlossen. Sie empfiehlt Geflüchteten jetzt, nach Basel zur Basel School of Business zu gehen, diese hatte die Hilfsaktion in Frenkendorf mitorganisiert und bietet immer noch Lebensmittel an.

Auch der Caritas-Markt merkt die hohe Nachfrage nach Lebensmitteln, wie Domenico Sposato von der Geschäftsleitung bestätigt. Wenn Leute darlegen können, dass sie aus der Ukraine kommen, kriegen sie Gutscheine und Unterstützung. «Heute war das Wartezimmer voll», sagt Sposato.

In der Basel School of Business am Basler Bahnhof mittlerweile zeigt Elena auf einen Sack Mehl: «Damit backe ich etwas für die Gastfamilie.» 

* In der ersten Version des Artikels stand, Ukrainer*innen müssten nach der Registrierung für den Schutzstatus ein paar Tage auf die Bestätigung warten und könnten erst dann Sozialhilfe bekommen. Doch das stimmt nicht. Ab dem Zeitpunkt der Registrierung können Ukrainer*innen direkt aufs Sozialamt gehen. Das Problem: Das wissen viele Betroffene und Anlaufstellen nicht und die Behörden sind überfordert. Und auch Bajour hat das Missverständnis erst jetzt verstanden, wir haben es in einem neuen Artikel aufgeschrieben. Entschuldigung für den Fehler.

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