Nun doch ein Dialog mit Besetzer*innen?

Zehn Tage nach der Besetzung der Uni Basel fordern die Aktivist*innen nach wie vor einen Dialog. Markus Wild, Professor für Philosophie, versucht sich nun als Vermittler.

Räumung Besetzung Bernouillanum Uni Basel Pro Palästina, 15. Mai 2024
Nach den Besetzungen gibt es Forderungen nach einem Dialog. (Quelle: David Rutschmann)

Die Besetzer*innen der Uni Basel beschäftigen das Rektorat auch in der vorlesungsfreien Zeit, die am 1. Juni begonnen hat. Bis auf Weiteres würden die Eingänge wichtiger Unigebäude durch die Securitas bewacht, sagt Unisprecher Matthias Geering. Die Sorge vor einer weiteren Besetzung scheint also nach wie vor vorhanden zu sein. Auch weil vergangene Woche Plakate von Rektorin Andrea Schenker-Wicki aufgehängt wurden, auf denen sie verbal angegriffen und als Unterstützerin des Genozids bezichtigt wird.

Dennoch scheint ein Austausch nicht ausgeschlossen zu sein. In einem offenen Brief fordern die Aktivist*innen der Gruppe «Unibas 4 Palestine» weiterhin den Dialog mit der Leitung der Universität. Uni-Sprecher Matthias Geering sagt auf Anfrage: «Die Unileitung hat Kenntnis dieses Offenen Briefs und ist bereit, mit Studierenden der Universität Basel in einen Dialog zu treten.»

Dies geschieht aber vorerst nicht direkt. Geering sagt: «Eine Dialoggruppe von Professoren, Dozierenden und Studierenden existiert. Diese wird von Professor Markus Wild moderiert, der diese Moderation in Absprache mit der Universitätsleitung ausübt.»

Markus Wild
Markus Wild startet in Eigeninitiative einen Austausch. (Quelle: Universität Basel)

Wild ist Professor für Theoretische Philosophie an der Uni Basel, er sagt: «Dieser Dialogversuch ist eine Eigeninitiative von mir. Ich möchte mir gerne ein Bild von den Besetzer*innen und ihren Anliegen machen und herausfinden, ob es mir gelingt, zu vermitteln. Ich bin mir im Klaren darüber, dass der Prozess täglich scheitern kann, aber ich möchte nichts unversucht lassen.» 

Unterstützung bekommt er von anderen Professor*innen und Dozent*innen, mit denen er sich austauscht. Es gebe aber auch Kritik, wie er sagt. Wild ist es wichtig zu betonen, dass er keinen offiziellen Auftrag der Uni oder der Fakultät habe: «Ich übernehme ganz alleine die Verantwortung für die Initiative, diese Woche einen Dialog zu starten.»

Viel mehr Informationen kann er noch nicht geben, weil weiterführende Gespräche im Laufe der Woche geplant sind. Eines ist ihm aber wichtig: «Ich spreche nur mit Studierenden der Uni Basel.» Ob ein konstruktiver Austausch zwischen Studierenden und der Uni realistisch ist, werde sich bis Ende dieser Woche zeigen, so Wild. 

David Jenny
Resolution gescheitert

Am Mittwoch versuchte David Jenny (FDP) eine Resolution zu den Uni-Besetzer*innen im Grossen Rat zu traktandieren. Eine linke Mehrheit stimmte aber gegen eine Traktandierung, da – laut Argumentation der Linken – der Vorlauf zu kurz gewesen sei, um sich damit zu befassen. Somit kam die «Resolution betreffend keine Duldung von Besetzungen von Räumlichkeiten, die von der Universität Basel genutzt werden» nicht zur Verabschiedung oder Ablehnung, da sie nicht behandelt wurde.

Jenny hatte darin gefordert, dass «Besetzungen universitärer Räumlichkeiten, sei es im Zusammenhang mit den jetzigen Auseinandersetzungen im Nahen Osten, sei es zukünftig im Zusammenhang mit anderen Konflikten, in keinem Falle gerechtfertigt sind». Auch solle die Uni und die Regierung des Kantons Basel-Stadt klar kommunizieren, dass sie nicht bereit seien, aufgrund von Besetzungen in einen Dialog mit Besetzenden über Forderungen aller Art zu treten. Zudem sollten Räumungen künftig «so rasch als möglich nach erfolgter Besetzung erfolgen».

Es gibt offenbar Bemühungen seitens einzelner Professor*innen und Dozent*innen, den Konflikt zu schlichten. Einfach wird dies nicht, denn am Mittwochnachmittag postete die Gruppe «Unibas 4 Palestine» erneut Anschuldigungen gegen die Uni Basel. So heisst es zum Beispiel: «Das Rektorat der Uni Basel hat klar gemacht, dass sie nicht mal das Mindeste machen werden, um die Forderungen der Studenten und Arbeiter umzusetzen.» Und: «Kein Vertrauen in das Unirektorat oder den Staat!» Ob Aussagen wie diese geeignet sind, um einen Dialog zu beginnen, kann zumindest bezweifelt werden. 

Wie der Basler Erziehungsdirektor Mustafa Atici (SP) am Mittwoch im Grossen Rat sagte, habe die Universität Basel bei der Polizei die Herausgabe von Daten über die Personen angefordert, die im Anschluss an die beiden Besetzungen kontrolliert wurden. Es hiess, die Universität behalte sich Massnahmen gegen die beteiligten Student*innen vor. Insgesamt sind 63 Personen kontrolliert worden, 43 nach der Besetzung des Bernoullianums und 20 im Anschluss an die Räumung des Instituts für Soziologie.

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