Swisslosgelder

Politik fordert mehr Planungssicherheit für Festivals

Die Absagen von BScene, Pärkli Jam und Gässli Film Festival haben die finanzielle Fragilität der Basler Festivallandschaft sichtbar gemacht. Eine Motion fordert nun eine Anpassung der Swisslos-Verordnung, um wiederkehrenden Festivals mehr Stabilität zu geben.

Motion Jo Vergeat Festival
Festivals sollen künftig für zwei Jahre gefördert werden können, fordert Jo Vergeat. (Bild: Dominik Asche / Collage: Bajour)

Auf den Punkt:

  • Die Grüne Grossrätin Jo Vergeat fordert, die im Kulturleitbild vorgesehene Schwelle von 150'000 Franken für eine engere Zusammenarbeit mit Festivals auf 30'000 Franken zu senken.
  • Ihre breit abgestützte Motion verlangt, dass Swisslos-Beiträge für Festivals künftig auch für zwei Ausgaben gesprochen werden können.
  • Veranstalter*innen begrüssen den Vorstoss, weil er Planungssicherheit schafft und den administrativen Aufwand reduziert.

Mit einer Motion fordert die Grünen-Grossrätin Jo Vergeat, dass die Vergabepraxis der Swisslosgelder neu organisiert wird. Basel verfüge über eine vielfältige und geschätzte Festivalszene, heisst es in dem Schreiben. Diese Szene leiste einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Leben und der Attraktivität der Stadt. Allerdings stünden die Veranstaltungen finanziell aktuell sehr unter Druck. Einerseits aufgrund der allgemeinen Teuerung in der Kulturbranche, aber auch aufgrund von Veränderungen in der Stiftungs- und Sponsoringlandschaft. Sehr deutlich wurde dieser Missstand im letzten Jahr, als sowohl das BScene als auch das Pärkli Jam und das Gässli Film Festival aus finanziellen und strukturellen Gründen abgesagt wurden. 

Das Bscene war schon vorher zurückgerudert, es fand nur noch in der Kaserne statt und nicht mehr wie zuvor in Clubs der ganzen Stadt. Aber diese Sparmassnahmen waren nicht genug. Zum finanziellen Druck mischten sich zusätzlich die Zurückhaltung der Besucher*innen. Es kamen immer weniger Gäste. Auch das Pärkli Jam musste über die Bücher, um das Festival finanziell nachhaltig auszurichten und das Gässli Film Festival sagte für 2025 ab, weil es trotz grossem Effort nicht gelang eine Basisfinanzierung zu sichern. In Gesprächen hätten ihr Festivalveranstaltenden immer wieder davon berichtet, dass die mangelnde Planbarkeit ein grosse Herausforderung darstelle, so Vergeat.

«Ich beobachte, dass Stiftungen zunehmend lieber neue Projekte und Programme finanzieren und weniger gerne etablierte Festivals.»
Jo Vergeat, Grünen-Grossrätin

Gerade in Bezug auf die Miete oder den Lohn für eine Geschäftsleitung sei eine längerfristige Planung essenziell. Als weiteren Grund für die Dringlichkeit der Motion nennt die Grossrätin die Veränderungen in der Stiftungslandschaft: «Ich beobachte, dass Stiftungen zunehmend lieber neue Projekte und Programme finanzieren und weniger gerne etablierte Festivals. Ausserdem wollen natürlich immer mehr Veranstalter*innen Geld – es sind aber nicht mehr finanzielle Mittel da.»

Schwelle auf 30'000 Franken senken

Dass Handlungsbedarf besteht, ist unübersehbar. Vergeat ist überzeugt, dass mehr Sicherheit bei der längerfristigen Finanzierung helfen könnte. Beispielsweise, indem die Unterstützung bei regelmässigen Festivals über zwei Ausgaben hinweg gewährleistet würde – vorausgesetzt der gesprochene Betrag übersteigt einen gewissen Wert, so der Vorschlag. Einen Förderschwerpunkt für Festivals sieht auch das neue Kulturleitbild vor. Allerdings sollen gemäss Entwurf hier Festivals berücksichtigt werden, die einen Betrag über 150'000 Franken erhalten. Das sei zu hoch, findet Vergeat. Mehr als 150'000 Franken pro Ausgabe erhalten nicht viele Festivals. Solche hohen Beträge haben in den letzten Jahren das Jugendkulturfestival, die Architecture Week, Culturescapes, das Wildwuchsfestival, das Europäische Jugendchor Festival und das Theaterfestival bekommen. 

Vergeat fordert nun die Grenze auf 30’000 Franken zu senken. Das hätte eine enorme Auswirkung auf die Zahl der Festivals, die in den Förderschwerpunkt fallen würden. Unter anderem wären davon das Tanzfest, BScene, das Bildrausch Filmfest, Mizmorim, das Imagine, Im Fluss und Em Bebbi sy Jazz betroffen. Die Schwelle von 30'000 Franken hat Vergeat so gesetzt, um vor allem diejenigen zu berücksichtigen, die aufgrund der Grösse auf eine verlässliche Struktur angewiesen sind, welche durch bessere finanzielle Planbarkeit eher gewährleistet werden könnte. Die Motionärin beauftragen den Regierungsrat damit, die Verordnung dahingehend anzupassen, dass für Festivals, die einen Betrag von über 30'000 CHF erhalten und mindestens drei Mal stattgefunden haben, die Gelder auch für zwei Ausgaben gesprochen werden können. 

Das Anliegen ist breit abgestützt und wurde von Vertreter*innen fast aller Fraktionen unterschrieben. Es konkretisiert ausserdem die Frage der Qualitätsdefinition, die seit der Präsentation des neuen Kulturleitbilds und der Aussage von Regierungspräsident Conradin Cramer, man wolle das Angebot quantitativ reduzieren um das Qualitätsangebot zu sichern, entflammte. 

Veranstalter*innen begrüssen Absicherung

Pascal Degen, Leiter von Em Bebbi sy Jazz kommt der Vorschlag von Vergeat sehr entgegen. Vor allem in administrativer Hinsicht: «Wenn wir die Anträge für den Swisslosfonds nur alle zwei Jahre stellen müssten, wäre das schon eine grosse Erleichterung für unser Team, da wir alle ehrenamtlich arbeiten», sagt er. Im Gesamtbudget des Festivals machen die Gelder aus dem Swisslosfonds 20 Prozent aus.

Laurin Hoppler, jgb
«Wir hoffen, dass wir nicht aufwändige Reportings machen müssen»,
Laurin Hoppler, Co-Vorstandspräsident JKF

Das Jugendkulturfestival (JKF) erhält für seine Festivals jeweils deutlich mehr als 150'000  Franken, würde also Stand jetzt von dem im Kulturleitbild angekündigten Förderschwerpunkt profitieren. Wie genau dieser Aussehen wird, weiss der Co-Vorstandspräsident und Grünen-Grossrat Laurin Hoppler allerdings noch nicht. «Wir hoffen, dass es nicht viel mehr Administration bedeutet und wir beispielsweise aufwändige Reportings machen müssen», sagt er. Bisher sei die Kommunikation mit dem Kanton offen und effizient, er hoffe, dass dies auch künftig so bleiben wird. Mehr Planungssicherheit käme dem JKF aber sicherlich entgegen. «Wir stellen jeweils eine Geschäftsleitung für zwei Jahre ein, wissen aber immer erst ungefähr ein halbes Jahr vor dem Festival, ob es überhaupt stattfinden wird. Da wäre eine Absicherung für zwei Ausgaben sehr hilfreich», so Hoppler. 

Eine mehrjährige Finanzierung wäre auch für die BScene mit zahlreichen Vorteilen verbunden, da sie eine strategische Planung über mehrere Jahre ermöglicht und die finanzielle Unsicherheit vor der kommenden Ausgabe deutlich reduziert, kommentiert BScene-Geschäftsleiterin Selina Catania die Motion. Da die Konzeption der nächsten Ausgabe bereits wenige Wochen nach dem Festival beginne und stark vom Budget abhängig ist, sei Planungssicherheit entscheidend für Grösse, Ausrichtung und Qualität des Programms. Auch die Leiterin des Tanzfest Region Basel, Paloma Selma, spricht von direkten Auswirkungen auf die Qualität des Programms, die Stabilität des Teams und einen verantwortungsvollen Umgang mit den vorhandenen Mitteln. 

Wandel soll möglich sein

Zwei Ausgaben seien die richtige Menge, um den Festivals mehr Sicherheit zu geben und den Kanton aber auch nicht zu lange an eine Zusammenarbeit zu binden, so Vergeat: «Die Festivallandschaft muss sich auch verändern dürfen», sagt sie.

Und was ist mit den kleineren Festivals, die weniger als 30'000 Franken bekommen? Fallen die dann endgültig durchs Raster. Das dürfe laut Jo Vergeat natürlich nicht passieren: «Es ist wichtig, dass diese weiterhin gefördert werden, gehören doch grad die Kleinen zu einer vielfältigen Kulturlandschaft», sagt sie. Die Schwelle von 30'000 Franken sei aus ihrer Sicht auch nicht in Stein gemeisselt. Die Motion wäre ein Versuch, die Festivallandschaft zu unterstützen, ohne mehr Geld zu fordern, erklärt Vergeat. Die Einnahmen, die wegen ausbleibender Gäste wegfallen, können so aber nicht aufgefangen werden. «Es braucht natürlich auch eine Nachfrage», so die Motionärin. Sie sei aber zuversichtlich, dass die Basler*innen weiterhin gerne ausgehen und Festivals besuchen.

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