Kunsthalle-Diskussion

The city is so international, right? Right?

Bei der Diskussion um die Deutschkenntnisse des neuen Kunsthalledirektors zeigt sich die Stadt kleingeistig. Entweder, Basel möchte (internationale) Talente anlocken und in der Kunstszene relevant bleiben – oder nicht, kommentiert Bajour-Co-Chefredaktorin Ina Bullwinkel.

Kommentare-4
Es ist der falsche Moment und Kontext, um die Frage nach den Deutschkenntnissen des neuen Kunsthalledirektors zu stellen. (Bild: Dominik Asche)

In der ganzen Diskussion um den designierten Kunsthalle-Direktor Mohamed Almusibli wurde eine Frage kritisiert: die der Baz nach Almusiblis Deutschkenntnissen. Diese Frage war Bestandteil eines Fragenkatalogs, den der Kunstverein zur Causa Pro-Palästina-Briefe beantworten sollte. Der richtige Moment oder Kontext, um diese Frage zu stellen? ⛔️ Nope. 

Dass die Frage vom Kunstverein nicht beantwortet wurde, wurmt offenbar einige Menschen. Und wiederum einige Menschen können nicht verstehen, dass das Stellen dieser Frage ein Problem sein soll. (Nonemol, es geht um den Kontext, Leute!)

Mohamed Almusibli
Sorgt noch vor Amtsantritt für viel Diskussion: der neue Kunsthalledirektor Mohamed Almusibli. (Bild: Yumna Al-Arashi)

Für Primenews war die «unbeantwortete Deutschfrage» zumindest eine kleine Umfrage in der Galerie-Szene wert. Schliesslich sprachen Almusiblis Vorgänger*innen, Adam Szymcyk und Elena Filipovic, bei Amtsantritt ja auch schon nicht fliessend Deutsch! Von Almusibli weiss man es ja eigentlich nicht genau, aber eine Recherche von Primenews ergibt: Als Almusibli sich den Medien in Basel vorstellte, bestritt er die Pressekonferenz auf Englisch und auch in anderen Beiträgen im Internet spreche er Englisch. Aha.

Galerist Diego Stampa meint, es brauche für die Direktion der Kunsthalle eine «fliessende Kommunikation, idealerweise auf Deutsch». Galerist Guillaume Daeppen findet die Diskussion «verlogen und mühsam». Zwar sei es klar besser, wenn eine Chefin oder ein Chef der Kunsthalle deutsch spräche, aber: «Letztlich kommt es darauf an, was Almusibli inhaltlich macht.»

Elena Filipovic im Kunstmuseum Basel ©Lucia Hunziker
Muss für die Leitung des Basler Kunstmuseums Deutsch lernen: Elena Filipovic. (Bild: Lucia Hunziker)

Übrigens muss Elena Filipovic, die im Frühjahr von der Kunsthalle zum Kunstmuseum wechselt und dieses leiten wird, Deutsch lernen. Die deutsche Sprache zu beherrschen, ist nämlich offenbar Vorschrift für die Leitung eines staatlichen Museums in Basel-Stadt wie das Kunstmuseum (die Kunsthalle gehört nicht dazu). 

Kurze Zwischenfrage: Wie kleingeistig ist die Kulturhauptstadt Basel? Antwort: Ja. Elena Filipovic hat ihre Expertise bei der Kunsthalle bewiesen, Mohamed Almusibli hat sich gegen 90 andere Bewerbungen durchgesetzt. Ich nehme an, das spricht für seine Qualifikation.

Primenews kommentiert: «Wäre die Direktion eines wesentlichen Kunst-Instituts in den USA, in Frankreich oder England denkbar, die sich in der jeweiligen lokalen Sprache nicht ausdrücken können?»

Kann man die Weltsprachen Englisch und Französisch wirklich mit Deutsch vergleichen (geschweige denn Schweizerdeutsch – wie hart ist es bitte für Expats, die Hochdeutsch lernen und dann auf einmal Dialekt verstehen sollen?!)? Entweder, Basel möchte (internationale) Talente anlocken und in der Kunstszene relevant bleiben – oder nicht.

unnamed
Sorry, ich konnte mir nicht verkneifen, dieses Meme zu basteln. 🤓 

Übrigens, wenn dich kleinliche Diskussionen über Basler Kulturinstitutionen interessieren, dann vielleicht auch der Streit um einen Brunnen im Park der Fondation Beyeler – bz berichtet

Herz Brief
Mehr davon?

Jetzt das Basel Briefing abonnieren und immer aktuell informiert – und gut unterhalten – sein.

tracking pixel

Das könnte dich auch interessieren

Urgese Kolumne-1

Luca Urgese am 19. Januar 2026

Wir brauchen eine bessere Fehlerkultur

Abstreiten, kleinreden, ablenken: Bajour-Kolumnist und FDP-Grossrat Luca Urgese fragt sich, warum es in der Politik so schwerfällt, Fehler zuzugeben.

Weiterlesen
Wochenkommentar Lea Blattner

Ina Bullwinkel am 16. Januar 2026

Hass in eigenen Reihen

Der Co-Präsidentin der jungen EVP war’s irgendwann zu viel. Wie so viele Frauen zieht sie sich aus der Politik zurück. Ungezügelter digitaler anonymer Hass, oft auch aus den eigenen Reihen, gefährdet die Demokratie.

Weiterlesen
Interview 10 mio schweiz

Ina Bullwinkel am 16. Januar 2026

«Damit stellen wir uns auf die Seite von Putin»

Bisher waren die Gegner*innen der sogenannten Nachhaltigkeitsinitiative der SVP eher leise. Einen Gegenentwurf gibt es aber sehr wohl, betont SP-Nationalrätin Samira Marti: die Bilateralen III. Im Gespräch mit Bajour erklärt sie, warum vor allem die Region Basel weiterhin Zuwanderung braucht und wie ihre Partei die Abstimmung gewinnen will.

Weiterlesen
Ina Bullwinkel Porträt

Das ist Ina (sie/ihr): Nach journalistischen Stationen u. a. in Bremen (Volontärin, Weser-Kurier) und Berlin (Redaktorin am Newsdesk, ntv.de) hat es Ina mitten in der Corona-Pandemie zu Bajour verschlagen. Dank Baseldytsch-Kurs hat sie sich schnell dem Dialekt der Einheimischen angenähert – ihre Mundart-Abenteuer hält sie regelmässig im Basel Briefing fest. Seit April 2023 ist Ina Chefredaktorin und im Wochenkommentar «Bullwinkels Blickwinkel» teilt sie einmal die Woche ihre Meinung zu aktuellen (meist politischen) Themen.

Kommentare