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Gassenarbeit

Ein Verein, der am liebsten unnütz wär

Heute vor 40 Jahren wurde der Schwarze Peter – Verein für Gassenarbeit gegründet. Dass noch immer so grosser Bedarf für Gassenhilfe bestehe, sei im Grunde sehr traurig, meint Co-Geschäftsführer Michel Steiner, und träumt von einer Zukunft, in der es den Schwarzen Peter nicht mehr braucht.

12/08/23, 01:00 AM

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Der Verein Schwarzer Peter leistet seit jeher aufsuchende Sozialarbeit.

Der Verein Schwarzer Peter leistet seit jeher aufsuchende Sozialarbeit. (Foto: Schwarzer Peter / zVg)

Schon seit jeher leistet der Schwarze Peter – Verein für Gassenarbeit aufsuchende Sozialarbeit im öffentlichen Raum Basels. Das heisst, er besucht mehrmals wöchentlich Menschen auf der Strasse, führt Gespräche und baut Kontakte auf.

Der Schwarze Peter bietet heute Orientierungshilfe, Information, Krisen- und Soforthilfe, Beistand, Beratung, Vermittlung und Begleitung und stellt den Menschen auf der Gasse eine Meldeadresse zur Verfügung. Es sind dort über 300 Personen angemeldet.

Der Anfang des Vereins liegt in den 1980er Jahren. In den damaligen Jugendkrawallen verbreitete sich der Heroinkonsum und damit die Abstürze auf der Strasse zunehmend. Zu den ersten Projekten des Vereins Schwarzer Peter gehörten die Gassenküche, die Abgabe von sauberen Spritzen in Kooperation mit der Aidshilfe, sowie die Einrichtung des ersten Sprützehüslis am Lindenberg 1.

In der Zwischenzeit sei die Gassenarbeit des Schwarzen Peters längst nicht mehr auf Suchtbetroffene fokussiert, sondern habe sich auf sozial Benachteiligte und Armutsbetroffene ausgeweitet, meint Michel Steiner, Gassenarbeiter und Co-Geschäftsleiter des Schwarzen Peter.

Zu den wichtigsten Erfolgen des Schwarzen Peter gehöre laut Steiner der erste Basler Drogenstammtisch, an dem der Verein beteiligt war und der nun vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel und Bajour weitergeführt wird.

Und auch die Initiative «Recht auf Wohnen»,die 2018 vom Basler Stimmvolk angenommen wurde. Der Kanton ist demnach dafür verantwortlich, für alle Geringverdienenden günstigen Wohnraum zu schaffen.

«Dass wir unser 40-jähriges Bestehen feiern, ist einerseits erstaunlich, weil wir Pionierarbeit leisteten und uns dennoch institutionalisiert haben. Andererseits ist es aber auch sehr traurig, dass es uns immer noch braucht», meint Steiner. Er hofft, dass sich der Verein in zehn Jahren «wegen Nichtbedarfs» auflöst.

Heute Abend findet die Jubiläumsparty des Schwarzen Peter – Verein für Gassenarbeit statt. Ab 19:30 gibt es im Humbug Musik von Pyro, The Incident und La Nefera.

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