Bullwinkels Blickwinkel

Grüne Basel: Eier haben sie, Profil nicht

Sie wollen es nochmal wissen: Die Grünen schicken erneut eine eigene Kandidatur ins Basler Regierungsratsrennen. Und wieder handelt es sich dabei um eine Person, die sich im Wahlkampf zwar profilieren kann, am Ende aber chancenlos bleiben dürfte, kommentiert Chefredaktorin Ina Bullwinkel.

Wochenkommentar Grüne
(Bild: Adobe Stock/Collage: Bajour)

Die Grünen wollen zurück in die Basler Regierung. Seit Elisabeth Ackermann im Herbst 2020 als Regierungspräsidentin abgewählt wurde, nagt der Sitzverlust am grünen Selbstbewusstsein. Das ist verständlich, doch wozu diese politische Schlappe die Grünen treibt, ist nicht besonders konstruktiv.

Vergangenen Dezember hat sich die Grünen-Führungsspitze dazu entschlossen, nicht mit der SP im März anzutreten, sondern einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Dass es sich dabei um Velokurier-Unternehmer Jérôme Thiriet handelte, überraschte damals und warf mitunter die Frage auf: Gibt es niemand Besseres bzw. vor allem Bekannteres? Die Grünen liessen sich von den Zweifelnden nicht beirren, schliesslich ging es aus ihrer Sicht bei Beat Jans’ Nachfolge ja eigentlich um Ackermanns alten Sitz. 

Die Option, erst im Herbst mit einer wuchtigen Kandidatur aufzufahren, liessen sie verpuffen. Die Grünen wollten – platt gesagt – Eier zeigen. Nach dem Motto: Wir haben Anspruch auf einen Platz in der Regierung und sind nicht bloss ein SP-Anhängsel. Ergebnis dieser Strategie: Die Grünen haben ihren Koalitionspartner vor den Kopf gestossen, auf einen Kandidaten gesetzt, der (inhaltlich) zu wenig überzeugen und gerade mal die grüne Wähler*innenschaft mobilisieren konnte – und verloren. Für Thiriet war der Wahlkampf anstrengend und teuer. Ein wenig mehr Bekanntheit als Politiker hat er ihm gebracht, mehr aber auch nicht. Er trägt nun den Stempel des Nicht-Gewählten.

Die Personaldecke der Grünen scheint so schwach zu sein wie das Dach der Joggelihalle.

Ein ähnliches Schicksal wird im Herbst vermutlich Anina Ineichen ereilen, die aller Voraussicht nach Ende Mai von den Grünen Parteimitgliedern nominiert wird. Bisher macht sie einen kompetenten Eindruck, positioniert sich klar und scheint mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Stand jetzt wäre ihr ein Regierungsamt – kompetenzmässig – zuzutrauen. Bis zum Herbst wird sie sicher noch an Profil dazugewinnen und für mehr Menschen ein Begriff sein. Ob aber Ineichen, die erst seit zweieinhalb Jahren im Grossen Rat sitzt und bisher vor allem im Hintergrund politisierte, Chancen bei der breiten Stimmbevölkerung hat, gilt als unwahrscheinlich.

Schon wieder, so hat man den Eindruck, preschen die Grünen mit einer Kandidatur vor, die Fragezeichen hinterlässt. Die Personaldecke der Grünen scheint so schwach zu sein wie das Dach der Joggelihalle. Und genauso wenig wie sich die Basler Regierung mit ihrer mangelhaften Eventhalle davon abhalten lässt, sich für die Austragung des ESC 2025 zu bewerben, lassen sich die Grünen davon abbringen, im Alleingang in eine aussichtslose Polit-Schlacht zu ziehen.

Eigentlich würden die Chancen gar nicht mal so schlecht stehen – hätten die Grünen jemanden aufgestellt mit dem vereinigenden Kaliber einer Sibel Arslan.

Da das Präsidium frisch von Conradin Cramer besetzt wurde, und der LDP-Politiker nicht so schnell vom Thron zu stossen sein wird, werden die Grünen den Sitz von der unter Dauerbeschuss stehenden GLP-Bau- und Verkehrsdirektorin Esther Keller angreifen. Eigentlich würden die Chancen gar nicht mal so schlecht stehen – hätten sie jemanden aufgestellt mit dem vereinigenden Kaliber einer Sibel Arslan.

Die Basta-Politikerin, die im Nationalrat für die Grünen sitzt, wurde immer wieder als Hoffnungsträgerin gehandelt. Und eigentlich wäre Arslan aus Sicht der Öko-Parteien ein Glücksfall: 1. ist sie kompetent, 2. vereint sie Bekannt- und Beliebtheit und 3. will sie in die Basler Regierung. Wäre sie im März gegen Mustafa Atici angetreten, wäre es wohl knapp für den SP-Politiker geworden. Jetzt im Herbst ist der Zeitpunkt nicht ideal, Atici ist zu kurz im Amt. Arslan ist – aus persönlicher Sicht – gut beraten, sich in den kommenden vier Jahren weiter im Nationalrat zu profilieren und dann 2028 den Sack zuzumachen.

Für die Grünen wird im Herbst dagegen das Fazit lauten: viel investiert, wenig erreicht. Und dafür, dass sie die rot-grüne Mehrheit im Regierungsrat für weitere vier Jahre vermasselt haben, bis dann vermutlich Arslan kommt, trägt niemand anderes die Schuld, als die grüne Partei selbst. Anina Ineichen bekommt dann ein Schulterklopfen und setzt sich neben Jérôme Thiriet auf die Bank der vorerst ausrangierten Maskottchen der Basler Grünen.

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