Der Präsident bleibt sitzen

Das Präsidialdepartement bleibt. Die Basler*innen wollen ihre Regierung nicht um zwei Köpfe kürzen. Doch selbst die Gegner*innen sagen, dass es eine Reorganisation brauche.

Beat Jans
Das Präsidialdepartement bleibt.. Die Basler*innen sprechen sich gegen eine Abschaffung aus. (Bild: Keystone-SDA)

In Basel haben wir über die Abschaffung des Präsidialdepartements abgestimmt. Das Nein-Lager war sehr stark: Die FDP und die SVP waren die einzigen Parteien, welche die Initiative von Privatpersonen unterstützten. 

Das Resultat ist denn auch überdeutlich:

Schlussresultat Abschaffungsinitiative

Die SP interpretierte das Resultat sogleich zugunsten ihres Präsidenten Beat Jans als «Vertrauensbeweis für das Präsidialdepartement».

Diese Erklärung ist zu einfach. Jans ist in der Tat ein sehr beliebter Politiker. Aber er alleine hat die Abstimmung sicher nicht gerissen. Das deutliche Nein hat auch mit der holprigen Initiative zu tun, wie LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein (Gegnerin) und der Freisinnigen Christophe Haller (Befürworter) bemerkten.

Die Schwierigkeit: Die Initiative forderte nicht nur die Abschaffung des Präsidialdepartements, sondern auch die Reduktion der Regierung von 7 auf 5. Doch wer das Präsidialdepartement schlecht konzipiert findet, muss nicht unbedingt eine Verkleinerung der Regierung befürworten.

Eine siebenköpfige Regierung hat mehr Macht gegenüber der Verwaltung als eine fünfköpfige. Das Gremium hat nebst den Repräsentationsaufgaben mehr Zeit für Strategien, gerade auch im Hinblick darauf, dass Basel-Stadt Kantons- und Gemeindeaufgaben erfüllt.

Eine siebenköpfige Regierung hat also Vorteile. 

Eine schlechte Ausgangssituation für die Stimmbevölkerung, die wir auch dem Grossen Rat zu verdanken haben. Er hat es sträflich vermieden, der Initiative einen durchdachten Gegenvorschlag entgegenzusetzen – beispielsweise einen mit 7 Regierungsrät*innen, aber ohne Präsidialdepartement.

Dieses ist umstritten, seit es 2009 unter Guy Morin die Arbeit aufgenommen hat. Weder unter ihm noch unter seiner Nachfolgerin Elisabeth Ackermann hat es seine Funktion als Botschafter- und Vermittlerdepartement erfüllt. Der neue Präsident, Beat Jans, hat die Region in der Europadebatte zwar gut ins Spiel gebracht. Doch das grösste Manko kann auch er nicht lösen: Dieses Departement hat keine Gestaltungsmacht und verzettelt sich in Leerläufen.

Christophe Haller könnte also durchaus Recht haben, wenn er sagt: «Ich glaube, eine Initiative allein zur Abschaffung des Präsidialdepartements wäre durchgekommen.»

Bislang sah es nicht so aus, als ob das ernsthaft diskutiert würde. Die Linken haben kein Interesse daran, solange sie den Präsidenten stellen. Und die Bürgerlichen waren während des Abstimmungskampfes gespalten. Jetzt klingt es aber so, als würden sie sich vielleicht doch noch finden und eine Reorganisation anstossen. Mittepräsident Balz Herter (Gegner der Initiative) bietet bereits Hand dafür.

Es würde der Verwaltung gut tun.

Übrigens: Von den Basler Journalist*innen, die Stellung bezogen, waren alle für die Initiative, auch ich. Nur die bz war (halbherzig) dagegen.

Das könnte dich auch interessieren

Woko Ina Femizid häusliche gewalt

Ina Bullwinkel am 28. März 2025

Gefährlich wird es zu Hause

Die angezeigten Fälle im Bereich der häuslichen Gewalt steigen, dieses Jahr gab es in der Schweiz bereits neun Femizide. Frauen werden immer wieder zum Opfer ihrer Ehemänner oder Ex-Partner. Und der Aufschrei bleibt aus. Ein Kommentar von Chefredaktorin Ina Bullwinkel.

Weiterlesen
Luca Urgese Kolumne-1

Luca Urgese am 24. März 2025

Plädoyer für das private Grundeigentum

Die Haltung, dass der Boden möglichst vollständig dem Staat gehören und Privaten nur noch im Baurecht zur Verfügung gestellt werden sollte, ist inzwischen bis weit in die bürgerliche Mitte hinein verbreitet. Deshalb ist es an der Zeit für ein Plädoyer für das private Grundeigentum, findet FDP-Politiker Luca Urgese in seiner Kolumne.

Weiterlesen
Wochenkommentar Finanzen Schule Jungfreisinnige

Ina Bullwinkel am 21. März 2025

Geld als Pflichtfach

Wer was von seinen Finanzen versteht, hat mehr vom Leben. Die Jungfreisinnigen haben einen Vorschlag, der Schule machen sollte, kommentiert Chefredaktorin Ina Bullwinkel.

Weiterlesen
Fasnacht Wochenkommentar

Ina Bullwinkel am 14. März 2025

Woke Waggis?

Die Fasnacht sind drei Tage gelebte Gemeinsamkeit und immer auch ein politisches Brennglas. Klar ist, dass dabei auf Zeedel und Bängg nach oben getreten wird. Nicht immer jedoch ist allen klar, wer oben und wer unten ist, meint Chefredaktorin Ina Bullwinkel.

Weiterlesen
Foto Pino Covino

Bei Bajour als: Journalistin.

Hier weil: Das Hobby meines Mannes finanziert sich nicht von alleine.

Davor: Chefredaktorin im Lokalmedium meines ❤️-ens (Bajour), TagesWoche (selig), Gesundheitstipp und Basler Zeitung

Kann: alles in Frage stellen

Kann nicht: es bleiben lassen

Liebt an Basel: Mit der Familie am Birsköpfli rumhängen und von rechts mit Reggaeton und von links mit Techno beschallt zu werden. Schnitzelbängg im SRF-Regionaljournal nachhören. In der Migros mit fremden Leuten quatschen. Das Bücherbrocki. Die Menschen, die von überall kommen.

Vermisst in Basel: Klartext, eine gepflegte Fluchkultur und Berge.

Interessensbindungen:

  • Vorstand Gönnerverein des Presserats
  • War während der Jugend mal für die JUSO im Churer Gemeindeparlament. Bin aber ausgetreten, als es mit dem Journalismus und mir ernst wurde.

Kommentare